Fußball: Änderungen sind zwingend nötig

Joachim Löw, 29.08.2018 bei DFB Pressekonferenz in München

Fußball: Änderungen sind zwingend nötig

Zwei Monate nach dem historischen WM-Aus hat Bundestrainer Joachim Löw seine sportliche Analyse präsentiert. Er steht zu seinen Fehlern, kommentiert Kerstin von Kalckreuth aus der Sport-Redaktion.

Auf den ersten Blick hat Joachim Löw mit seiner WM-Analyse kein fußballerisches Erdbeben ausgelöst. Der Bundestrainer wird jetzt nicht alles umschmeißen bei der Nationalmannschaft. Aber im Detail wird sich einiges ändern nach dieser desaströsen Weltmeisterschaft; und das ist nicht nur gut so. Das ist zwingend nötig.

DFB-Elf: Änderungen sind zwingend nötig

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 30.08.2018 | 02:13 Min.

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Selten habe ich den Bundestrainer so fahrig erlebt wie zu Beginn dieser fast zweistündigen Pressekonferenz. Noch nie hat Löw in der Öffentlichkeit so unter Druck gestanden. Noch nie ist Löw so selbstkritisch aufgetreten. Löw steht zu seinen Fehlern: Die falsche Taktik nimmt er natürlich auf seine Kappe; der Grund: seine an Arroganz grenzende Fehleinschätzung. Auch den mangelnden Enthusiasmus seiner Spieler bei dieser WM kreidet sich der Bundestrainer und spricht von Selbstgerechtigkeit. Da Einsicht bekanntlich der erste Schritt zur Besserung ist, macht das doch Hoffnung für eine Rückkehr zu guten Zeiten, die es bei der DFB-Auswahl mit diesem Bundestrainer ja über Jahre hinweg gab.

Inhaltlich machen die kleinen, aber bedeutsamen Änderungen Hoffnung: Im Kader für die nächsten Länderspiele stehen gleich drei Neulinge. Es soll eine neue Mischung von Alt und Jung geben, zu der übrigens der bei der WM schwache Sami Khedira erst mal nicht mehr gehört. Löw arbeitet künftig wieder mit nur einem Co-Trainer und einem Torwarttrainer. Überhaupt wird aus dem über die Jahre aufgepumpten Betreuerstab personell die Luft gelassen. Sieben Stellen werden mindestens gestrichen. Der Verhaltenskodex der Nationalmannschaft soll mit den Spielern neu erarbeitet und wieder konsequent gelebt werden. Und: Es wird wieder öffentliche Trainingseinheiten geben. Stichwort – Nahbarkeit für die Fans. Das alles klingt sinnvoll und es kann tatsächlich die Wende bringen, sollten die Neuerungen so kämpferisch vorangetrieben werden wie sich Joachim Löw in der Öffentlichkeit präsentiert hat.

Im DFB gibt es ausreichend Spieler-Personal von Weltformat. Der Bundestrainer hat in der Vergangenheit bewiesen, dass er ein hervorragender Analyst und Trainer ist. Auch nach dieser Pressekonferenz bleibt der Druck hoch. Joachim Löw steht zu seinen Fehlern. Jetzt muss er zeigen, ob er wirklich aus ihnen gelernt hat.

Redaktioin: Patrick Raulf

Stand: 29.08.2018, 16:52