EU um den Balkan erweitern? Ein Pro und Contra

EU-Westbalkan-Gipfel

EU um den Balkan erweitern? Ein Pro und Contra

Wenn die Europäer Serbien, Montenegro und Co keine Beitritts-Aussicht bieten, gefährden sie sich selbst, meint Kai Küstner in seinem Kommentar. Andreas Meier-Feist ist anderer Ansicht.

Die EU darf den Balkan nicht hängen lassen,
meint Kai Küstner.

Der grausame Krieg in Syrien führt der Europäischen Union gerade auf brutale Weise vor Augen, was es bedeutet, wenn man direkt vor der eigenen Türschwelle nicht für Frieden und Sicherheit sorgen kann. In Syrien ist die EU komplett ohnmächtig – auf dem Balkan indes nicht. Europa sollte nicht auch noch hier seinen Einfluss verspielen, indem es Serbien, Montenegro und Co wie lästige Vertreter, die an der Haustür klingeln, abwimmelt.

Die EU darf den Balkan nicht hängen lassen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 17.05.2018 | 01:59 Min.

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Die Balkan-Kriege der 90er Jahre jedenfalls hat weder in der Region selbst noch auf dem ganzen Kontinent irgendein Zeitzeuge je vergessen: Dass derzeit ein erneuter Flächenbrand – mitten in Europa – undenkbar erscheint, hat viel mit den Hoffnungen zu tun, die sich diese Länder auf einen EU-Beitritt machen. Welchen Grund hätten etwa Serbien und das Kosovo überhaupt noch, ihre erbitterten Streitigkeiten beizulegen oder auch Mazedonien und Griechenland, sich um bessere nachbarschaftliche Beziehungen zu bemühen, wenn die EU die Balkan-Beitritts-Tür ein für alle Mal zusperrt?

Es ist viel Wahres an dem Satz, dass Brüssel und Co die Wahl haben: Entweder sie exportieren Sicherheit in ihre unmittelbare Umgebung oder sie holen sich jede Menge Unsicherheit ins EU-Haus hinein. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass nur Menschen ohne jede Hoffnung ihre Heimat verlassen und auswandern.

Bekommen die Balkan-Staaten nach jahrelangem Warten jetzt nicht endlich das Gefühl, dass ihre Aussicht auf einen EU-Beitritt nicht völlig vergebens ist, wenden sie sich ab. Und laufen jenen in die Arme, mit denen sich die Europäische Union in der Region um Einfluss streitet: Russland, China, der Türkei.

Wohlgemerkt: Es geht hier nicht darum, den noch immer extrem wandlungsbedürftigen Balkan-Ländern sofortige Aufnahme in die europäische Familie zuzusagen. Es geht darum, zarte Hoffnungs-Pflänzchen nicht zu zertrampeln. Denn damit würde die EU auch die eigenen Sicherheitsinteressen mit Füßen treten.

Die EU um den Westbalkan erweitern? Bitte nicht,
meint Andreas Meyer-Feist.

Frankreichs Präsident Macron hat ausgesprochen, worauf es wirklich ankommt: Europa braucht keine Erweiterung, sondern Vertiefung. Dass heisst: Die EU, so wie sie ist, muss wieder in Topform kommen. Und in Topform bleiben. Das ist jetzt schon schwer genug. 


 

EU um den Balkan erweitern? Bitte nicht!

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 17.05.2018 | 01:44 Min.

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Bitte keine Experimente, die nur schiefgehen können. Dann reden nur noch mehr Regierungen mit, ohne mehr einzubringen. Das schwächt alle anderen. Das Wort "Erweiterung" trifft die Wirklichkeit sowieso nicht. Die Realität ist eine andere: Erst mal schrumpft die EU nach dem Brexit. Großbritannien fällt ab. Soll sie sich danach wieder ausdehnen? Und dann auch noch in die falsche Richtung? Nein. Die EU ist kein Riesenjojo mit Gummiband.

Die EU braucht keine neuen Problembären, sondern Problemlöser. Und die müssen im alten Europa verwurzelt sein. Die EU ist nichts für Träumer. Sie ist in Zukunft viel mehr auf sich gestellt. Sie muss weltweit viel stärker europäische Interessen durchsetzen. Da kann sich die EU keine Schwächen erlauben!

Redaktion: Lars Krupp

Stand: 16.05.2018, 15:21