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Essener Tafel: Auch Verhalten miteinbeziehen

Lebensmittelausgabe bei der Essener Tafel

Essener Tafel: Auch Verhalten miteinbeziehen

Die Essener Tafel will künftig wieder Ausländer als Neukunden aufnehmen. Sollte es erneut Schwierigkeiten geben, werden als erstes Alleinstehende ohne Kinder, egal welcher Herkunft, von der Essensausgabe ausgeschlossen. Jörg Steinkamp hat in seinem Kommentar einen weiteren Vorschlag.

Bedürftig, bedürftiger, am bedürftigsten – stellenweise kam man sich in den vergangenen Wochen vor wie im Deutschunterricht. Oder doch in der Ethik-Stunde? Denn wer jetzt wem vorzuziehen ist, das ist eine komplexe, hochgradig moralische Fragestellung. Kein Wunder, dass die Konsequenzen, die die Essener Tafel gezogen hatte, hohe Wellen schlugen und heftig diskutiert wurden. Dabei geht es den Tafeln eigentlich nicht primär darum, Bedürftigen zu helfen. Der Grundgedanke war und ist, Lebensmittel nicht im Müll landen zu lassen. Dass davon arme Menschen profitieren, ist nur eine logische und lobenswerte Konsequenz.

Unter den Schwachen setzt sich der Stärkere durch

Nun stehen die Tafeln bundesweit vor demselben Problem: Es gibt zu viele Bedürftige, die gerne von der Tafel profitieren möchten. Was das in der Realität bedeutet, ist nicht nur bei der Essener Tafel zu beobachten. Es entwickelt sich eine Art Wettkampf unter den Bedürftigen. Unter den Schwachen setzt sich der Stärkere durch. Es wird gedrängelt, geschubst, gespuckt.  Was tun? Jörg Sartor, der bundesweit kritisierte Vorsitzende der Essener Tafel, zog die Notbremse. Er sah die Ursache der Auseinandersetzungen bei "seiner" Tafel im zu hohen Ausländeranteil. Der Ausländerstopp für drei Monate sollte hier Abhilfe schaffen.

Essener Tafel: "Auch das Verhalten der Menschen miteinbeziehen"

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 04.04.2018 | 02:16 Min.

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Traurige Realität: Menschen müssen ausgeschlossen werden

In Essen sind aktuell 50 Prozent der Kundschaft Deutsche und 50 Prozent aus dem Ausland. Ob das dauerhaft zu mehr Fairness und zur Beruhigung der Situation führt – ist fraglich.  Fakt ist: Die wenigsten Tafeln haben mehr Lebensmittel, als benötigt würden. Die traurige Realität: Menschen müssen ausgeschlossen werden.

In Essen wurde dies anhand der Nationalität getan, in Zukunft durch Familienstand oder Alter. Wäre es nicht sinnvoller, auch das Verhalten mit einzubeziehen? Neben "bedürftig, bedürftiger, am bedürftigsten" könnte auch die Devise "unhöflich, unhöflicher, am unhöflichsten" sein, um zu entscheiden, wer nicht  mehr zur Tafel kommen darf. Denn wer schubst, drängelt oder Ellbogen benutzt, der hat die Regeln nicht verstanden und sollte höflicheren Menschen Platz machen. Und nur damit wir uns nicht falsch verstehen: unabhängig von der Nationalität!

Redaktion: Stefan Pößl

Stand: 04.04.2018, 07:58