Entgelttransparenzgesetz - ein zahnloser Tiger

Lohn- / Gehaltsabrechnung Symbolfoto mit Gelscheinen und Münzen

Entgelttransparenzgesetz - ein zahnloser Tiger

Von Ute Schyns

Mehr Lohntransparenz - das ist das Versprechen des neuen Entgelttransparenzgesetzes. Doch so einfach ist es nicht, kommentiert Ute Schyns aus der WDR-Wirtschaftsredaktion.

Entgelttransparenzgesetz - ein zahnloser Tiger?

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 08.01.2018 | 02:35 Min.

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Dass Männer und Frauen für die gleiche Arbeit gleich bezahlt werden, wenn Qualifikation und Berufserfahrung ähnlich sind und sie das Gleiche leisten, das sollte im Jahr 2018 selbstverständlich sein. Ist es aber leider nicht. Doch an dieser Ungerechtigkeit wird auch das neue Gesetz grundlegend nicht viel ändern. Denn es ist nicht gut gemacht und kompliziert anzuwenden.

Dass Frauen – und natürlich umgekehrt auch Männer – erfahren dürfen, was die Kollegen des anderen Geschlechts in vergleichbaren Jobs verdienen, hört sich erst mal gut an. Doch Voraussetzung, damit etwa Lisa Meier diese Auskünfte einholen darf, ist: Es muss mindestens sechs Leute im Betrieb geben, die ähnliche Jobs machen. Sind es weniger, hat man leider Pech gehabt. Je höher man die Stufen der Karriereleiter erklimmt, desto schwieriger dürfte es werden, so eine Vergleichsgruppe überhaupt zu finden. Und was ist überhaupt vergleichbar? Darüber dürfte sich in der Praxis herrlich streiten lassen.

Es gibt aber noch ein anderes Problem: Lisa Meier erfährt ja nicht, was Kollege XY verdient, sondern nur das mittlere Gehalt einer Gruppe. Doch das sagt nicht viel darüber aus, ob es eklatante Ausreißer nach oben oder unten gab. So viel zur Transparenz. Außerdem gilt der neue Auskunftsanspruch erst für Betriebe ab 200 Mitarbeitern. Die Millionen von Frauen, die in kleineren Betrieben arbeiten, haben herzlich wenig davon. Und die hätten es vermutlich oft nötiger.

Keine Konsequenzen

Doch gehen wir einfach mal davon aus, dass bei Lisa Meier alle Voraussetzungen erfüllt sind, und sie erfährt, dass sie viel zu wenig verdient. Was passiert dann? Wird das Gehalt automatisch angepasst? Bekommt das Unternehmen eins auf die Mütze? Nichts davon. Von alleine passiert erst mal gar nichts. Lisa Meier kann und sollte dann zwar versuchen, mit ihrem Arbeitgeber zu reden. Doch wenn sich der nicht einsichtig zeigt, muss sie selber kämpfen, zur Not vor Gericht klagen. Doch wer so weit geht, kann sich in der Regel auch gleich eine neue Stelle suchen.

Ist das Gesetz damit für die Katz und viel zu bürokratisch, wie vor allem Unternehmensvertreter kritisieren? Darüber lässt sich streiten. Obwohl es löchrig ist wie ein Schweizer Käse, dürfte davon zumindest eine Signalwirkung ausgehen. Der Druck auf Arbeitgeber steigt, mehr auf Lohngerechtigkeit zwischen den Geschlechtern zu achten. Das wäre ein kleiner, wenn auch bescheidener Erfolg.

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 07.01.2018, 16:24