Hass-Texte im Rap: Musikindustrie ist in der Verantwortung

Farid Bang und Kollegah bei der Echo-Verleihung 2018

Hass-Texte im Rap: Musikindustrie ist in der Verantwortung

Seitdem die beiden Gangster-Rapper Farid Bang und Kollegah für den Echo Musikpreis nominiert wurden, läuft eine Debatte um Hass-Texte im Rap. Die Musikindustrie sollte ihre Verantwortung zukünftig ernster nehmen, meint Beke Schulmann in ihrem Kommentar.

"Dass ausgerechnet am 12. April, dem Holocaust-Gedenktag in Israel, die Echo-Verleihung von dieser Nominierung überschattet wird, ist makaber und beschämend". So brachte Peter Maffay zu Recht seinen Ärger über die Nominierung der Rapper Farid Bang und Kollegah zum Ausdruck. Währenddessen streiten sich Musiker, Medien und Politiker weiter über diesen einen Satz: "Mein Körper definierter als von Ausschwitz-Insassen". Ist das nun Antisemitismus? Oder eher ein geschmackloser Vergleich?

Die Debatte ist überfällig

Dabei muss man gar nicht weit hören, bis die nächste antisemitische - oder auch gerne genommen: sexistische, frauenfeindliche oder gewaltverherrlichende - Textzeile auftaucht. So findet sich in dem Song "Psst" von Rapper Haftbefehl die Zeile: "Ich ticke Kokain an die Juden von der Börse" und weiter bei Kollegah: "Ich leih' dir Geld, doch nie ohne 'nen jüdischen Zinssatz." Diese Art von Rap bedient antisemitische Vorurteile und Verschwörungstheorien und ist offen frauenfeindlich. Zitate wie: "Nutte, bell wie ein Pudel" sind dabei noch harmlos. Die Debatte darüber ist überfällig.

Buhrufe auch aus dem Publikum

Jetzt ist ein Anfang gemacht. Campino, Sänger der Band Die Toten Hosen, verkündete noch während der Echo-Verleihung auf der Bühne seinen Unmut über die Nominierung von Farid Bang und Kollegah. Provokation halte er für richtig, bei frauenverachtenden, homophoben, rechtsextremen und antisemitischen Beleidigungen sei allerdings eine Grenze überschritten. Auch das Publikum hielt sich mit Buhrufen nicht zurück, als sich die Rapper Farid Bang und Kollegah auf der Bühne über "moralische Instanzen" beschwerten.

Gangster-Rap als Spiegel der heutigen Zeit

Dieses Thema darf nicht den Rechten überlassen werden, die es für ihre Politik instrumentalisieren. Sie beschwören einen sogenannten importierten Antisemitismus herauf und lasten Muslimen in Deutschland und auch muslimischen Rappern die Verantwortung für allen Hass gegen Juden an.

Dabei muss klar sein: Battle- oder Gangster-Rap - ob nun von muslimischen oder nicht-muslimischen Rappern - ist ein Spiegel der heutigen Zeit und nicht an sich antisemitisch oder frauenfeindlich. Er greift die Entwicklungen unserer Gesellschaft auf - und damit eben auch den noch immer vorhandenen Antisemitismus.  

Jede Provokation bedeutet mehr Verkäufe

Für die Musikindustrie bedeutet jede Provokation mehr Verkäufe. Nicht umsonst gehören die Alben von gewaltverherrlichenden und frauenfeindlichen Rappern wie Haftbefehl und Kollegah in Deutschland zu den meistverkauften. Den Plattenfirmen liegt also nichts daran, an provokanten bis antisemitischen Inhalten ihrer Musik etwas zu ändern. 

Große Verantwortung der Musikindustrie

Diese Rechnung darf so nicht aufgehen. Solche geschmacklosen Inhalte sollten nicht auch noch bei glamourösen Gala-Events ausgezeichnet werden und damit der ganzen Welt erklären: "Das ist schon okay, was die da in ihren Texten sagen - und dafür gibt es sogar noch einen Preis." Dafür ist die Verantwortung der Musikindustrie - auch gegenüber ihrer jugendlichen Käuferschicht - zu groß. Besonders dann, wenn sich die Künstler bei Kritik an geschmacklosen und menschenverachtenden Texten auf ihre Kunstfreiheit zurückziehen.

Das künstlerische Werk muss bewertet werden

Bei Auszeichnungen darf es nicht nur um reine Verkaufszahlen gehen, wie beim Echo, der vom Bundesverband der deutschen Musikindustrie veranstaltet wird und der den rein kommerziellen Erfolg eines Musikers oder Albums prämiert.

Vielmehr braucht es eine Fachjury, die den Namen wirklich verdient. Ein Gremium aus Künstlern und Kritikern, die das künstlerische Werk fachlich bewerten und auszeichnen. Dann könnten sich Musiker und Publikum bei der nächsten Verleihung wieder auf das Wesentliche - die Musik - konzentrieren. Und das dürfte auch im Sinne der Musikindustrie sein.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 13.04.2018, 15:32