Digitalpakt: Schluss mit dem Durcheinander

Schüler arbeiten in einem Klassenraum einer Grundschule an Computern.

Digitalpakt: Schluss mit dem Durcheinander

Armin Laschet und vier seiner Ministerpräsidentenkollegen wollen eine Grundgesetzänderung im Bereich Schule verhindern. Nicht zielführend findet das unsere Kommentatorin Daniela Junghans, denn aktuell sei das Schulsystem ein zu großes Durcheinander.

Digitalpakt: Schluss mit dem Durcheinander

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 04.12.2018 | 02:33 Min.

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Wissen Sie eigentlich, wie viele Schulformen es in NRW gibt? Mindestens sechs, je nachdem, was man so alles mitzählt. Neben den klassischen Grundschule, Haupt-, Real-Schule und Gymnasium haben wir noch Gesamtschulen und Sekundarschulen. Macht sechs, plus Gemeinschaftsschulen, Förderschulen, Berufskollegs, Waldorfschulen, und so weiter. Und viele dieser Schulen haben auch noch ganz unterschiedliche Schwerpunkte. Was ich damit sagen will: Schon in NRW ist das Schulsystem ziemlich unübersichtlich. Das wissen alle Eltern, die für ihr Kind mal nach der passenden weiterführenden Schule gesucht haben.

Aus Nutzersicht ein großes Durcheinander

Betrachtet man ganz Deutschland, gibt es um die 20 verschiedene Schulformen. Genau daran musste ich denken, als ich den Text der fünf Ministerpräsidenten las. Darin steht mit Blick auf die Schulen unter anderem, der Föderalismus sorge für "passgenaue Lösungen vor Ort" und einen "Wettbewerb der besten Konzepte". Und er schütze vor "einem unflexiblen und statischen Zentralismus". Geht es auch eine Nummer kleiner? Und vor allem mal etwas zukunftsorientierter und bürgernäher? Unser Schulsystem ist aus Nutzersicht ein großes Durcheinander, in dem jedes Bundesland macht, was es gerade will. Das mag auch Vorteile haben, optimal ist es sicher nicht. Und müsste deshalb dringend mal überarbeitet werden.

Aufhören mit dem Kästchendenken

Doch genau das passiert nicht – auch, weil Ministerpräsidenten wie Armin Laschet bereits beim kleinsten Versuch, ein wenig mehr Abstimmung ins System zu bringen, auf die Barrikaden steigen. "Wir wollen keine Einheitsschulpolitik aus Berlin" schreiben die fünf Ministerpräsidenten – als ob das irgendwer vorgeschlagen hätte! Hier geht es nicht um ein einheitliches deutsches Schulsystem, also um eine große Reform des bestehenden Systems. Sondern lediglich darum, dass der Bund nicht nur Geld überweisen, sondern auch ein wenig mitreden will bei der Verwendung der Zusatzmilliarden für die Digitalisierung der Schulen. Das ist weder das Ende der Welt, noch "öffnet es dem Einfluss des Bundes im Schulbereich Tür und Tor" – wie es die Ministerpräsidenten befürchten. Die sollten endlich aufhören, nur in ihren eigenen Kästchen, ihren kleinen Machtbereichen zu denken – und für bessere, zukunftsfähige Schulen vielleicht auch bereit sein, ein wenig ihres Machtbereichs abzugeben. Den Preis wäre es allemal wert!

Redaktion: Lars Krupp

Stand: 03.12.2018, 06:04