CSU-Personalien: Jetzt muss Söder ran

Markus Söder am 26.02.2018

CSU-Personalien: Jetzt muss Söder ran

Horst Seehofer hat in Berlin gut verhandelt und drei Bundesministerien und einen Staatsministerposten für die CSU herausgeholt. Schwierig wird es für Markus Söder: Der muss sich um Personalfragen in Bayern kümmern. Ein Kommentar von Eva Lell.

Ja, Horst Seehofer hat in Berlin gut verhandelt. Drei Bundesministerien inklusive Innenministerium für sich selbst und einen Staatsministerposten hat er für die CSU herausgeholt. Er, den sie in Bayern vom Hof gejagt haben nach dem CSU-Debakel bei der Bundestagswahl. Mit dem zusätzlichen Posten wird Dorothee Bär immerhin Staatsministerin im Kanzleramt. Der Vorwurf aber bleibt, dass SPD und CDU die Hälfte ihrer Ministerposten mit Frauen besetzen, die CSU aber keine einzige Frau an die Spitze eines Bundesministeriums setzt. Und die parlamentarischen Staatssekretäre der CSU? Ebenfalls Männer. Abgesehen von der Frauenfrage hat Horst Seehofer ein Tableau für Berlin gezaubert, das aus CSU Sicht durchaus Erfolg verspricht: die Christsozialen besetzen die Ressorts Innen und Verkehr, der beliebte Entwicklungsminister Gerd Müller bleibt im Amt.

CSU: Jetzt muss Markus Söder ran

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 06.03.2018 | 02:50 Min.

Download

Zeichen des Aufbruchs in München

Die schwierigere Aufgabe hat jetzt Markus Söder. Der designierte Ministerpräsident muss sich um Personalfragen in Bayern kümmern. Bis Ostern soll das neue Kabinett vereidigt sein. Inhaltlich hat sich Söder zu Jahresbeginn an einem kraftvollen Aufschlag versucht. Das neue Kabinett soll eine Perspektive über die Landtagswahl in Bayern hinaus geben. So viel hat Söder schon verraten. Er wird vermutlich die Minister, die bei der Landtagswahl nicht mehr antreten, Emilia Müller und Helmut Brunner, ersetzen. Er muss diejenigen bedienen, die ihm im CSU-internen Machtkampf unterstützt hat, aber auch seine parteiinterne Gegner. Er will ja eine geschlossene CSU. Er sollte die Zahl der Frauen im Kabinett mindestens beibehalten, ein Signal des Aufbruchs wären auch Kabinettsmitglieder deutlich unter 50. Und für die CSU das wichtigste: der Regionalproporz muss stimmen. Markus Söder wird Verletzungen und Enttäuschungen produzieren mit dem neuen Kabinett. Die schwierigste Aufgabe wird dann aber der Wahlkampf in Bayern, und das nicht nur wegen der Konkurrenz von der AfD. Es ist zu bezweifeln, dass die CSU Spitze die selbst verordnete Geschlossenheit auch durchhält. Schon beim Politikerderblecken auf dem Nockherberg vergangene Woche war, einmal wieder, zu beobachten, dass sich Horst Seehofer und Markus Söder wenig zu sagen haben. Und die Machtübergabe in München macht Horst Seehofer seinem Nachfolger Markus Söder auch nicht leicht. Seehofer tritt am 13.März zurück, Söder müsste dann eigentlich in den regulären Plenarsitzung tags darauf, am 14.März gewählt werden. An diesem Tag spielt die Musik aber in Berlin, bei der Wahl Angela Merkels zur Bundeskanzlerin. Wie Söder jetzt seine Neuwahl gestaltet, das überlässt Horst Seehofer ganz allein seinem Nachfolger. Man darf davon ausgehen, dass Seehofer das ähnlich amüsiert beobachtet wie die Szenen im Singpiel auf dem Nockherberg, bei denen Markus Söder alt aussah.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 05.03.2018, 17:58