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Corona: EU darf bei Bekämpfung kein "Chaos-Club" bleiben

Arbeiter misst in einem aus Hongkong kommenden Flugzeug nach der Landung am Flughafen Rom Fiumincino die Temperatur eines Passagiers

Corona: EU darf bei Bekämpfung kein "Chaos-Club" bleiben

Von Ralph Sina

Fiebermessen am Flughafen, Verbot genereller Flüge nach China oder sogenannte Ausstiegskarten: Jedes EU-Land entscheidet im Alleingang, wie man gegen das Coronavirus vorgeht. Dabei müsse die EU nun zeigen, dass sie gemeinsam geopolitisch agieren könne, kommentiert Ralph Sina.

Corona: EU darf bei Bekämpfung kein "Chaos-Club" bleiben

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 14.02.2020 01:22 Min. Verfügbar bis 12.02.2021 WDR 5 Von Ralph Sina

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Ein Virus kennt keine Grenzen, da hat Bundesgesundheitsminister Spahn Recht. Das Coronavirus zeigt die Ohnmacht von Nationalstaaten. Weil aus der regional begrenzten Epidemie sehr schnell eine Grenz- und Kontinent- übergreifende Pandemie werden kann.

Vor diesem Hintergrund ist es erstaunlich, dass die EU-Gesundheitsminister erst gestern in Brüssel berieten, wie die EU in Zukunft koordiniert auf die neue Herausforderung reagieren soll.

Es ist ein Armutszeugnis für die EU-Mitgliedsstaaten insgesamt, dass sie zunächst wieder ihrem alten Reflex nachgaben: Brüssel ist weit weg, die EU-Kommission hat ohnehin in gesundheitspolitischen Fragen nichts Verbindliches zu sagen –also entscheiden die nationalen Hauptstädte im Alleingang wie die Virus-Abwehr am besten funktioniert.

Fiebermessen an den Flughäfen forderten die einen. Obwohl das reiner Aktionismus wäre, weil Corona-Betroffene während der Inkubationszeit fieberfrei sein können. Italien verbot im Alleingang Flüge nach China. Während Deutschland die Idee der Ausstiegskarte entwickelte, auf der Einreisende aus China Angaben zum Flug machen müssen und vor allem zu ihren geplanten Aufenthaltsorten und ihrer Erreichbarkeit in der EU. Piloten müssen bei Flügen aus China in die Bundesrepublik, dem Tower vor der Landung melden, ob es Passagiere mit möglichen Coronavirus-Symptomen gibt.

Das Treffen in Brüssel bot die Chance, für alle Flughäfen in der EU die gleichen Abfragesysteme zu entwickeln. Doch es reicht für die EU, sich auf vergleichbare Kontrollmaßnahmen zu verständigen. Wenn Ursula von der Leyens Ankündigung, die EU wolle geopolitisch agieren, mehr sein soll als ein Sprechblase.

Gesundheitspolitisch weltweit agieren kann die EU-Kommission jetzt, indem sie ihre Haushaltskasse öffnet und die Weltgesundheitsorganisation WHO bei Maßnahmen zur Eindämmung des Virus und zur Entwicklung eines Impfstoffs finanziell unterstützt. Die EU muss zeigen, dass sie nicht nur an einem Platz im Weltsicherheitsrat interessiert ist, sondern auch an einer führenden Rolle in der WHO.

Redaktion: Jochen Zierhut

Stand: 13.02.2020, 17:12