CAS-Urteil: Keine Niederlage für das IOC

Olympische Ringe

CAS-Urteil: Keine Niederlage für das IOC

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) hat die lebenslangen Sperren gegen 28 russische Wintersportler aufgehoben. Nun liege es am Internationalen Olympischen Komitee ein Eigentor zu verhindern, meint Jens Gideon in seinem Kommentar.

Dieses Urteil ist keine Niederlage für das IOC und seinen deutschen Präsidenten Thomas Bach, sondern ein Erfolg durch die juristische Hintertür. Die höchste sportrechtliche Instanz sorgt nämlich dafür, dass das Verhältnis zu Russland und seinem mächtigen Präsidenten Wladimir Putin intakt bleibt.

Die Profiteure des nachgewiesenen russischen Staatsdoping-Systems bekommen möglicherweise doch noch ein Startrecht für die Winterspiele in Pyeongchang. Ich behaupte, genau das war das Kalkül des IOC.

CAS-Urteil: Keine Niederlage für das IOC

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 02.02.2018 | 03:07 Min.

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Die Anwälte des olympischen Dachverbandes müssen gewusst haben, dass Sperren gegen Einzelsportler ohne konkreten positiven Dopingbefund juristisch nicht haltbar sind. Es war klar, dass nur auf Basis des Verdachts, dass diese Athleten vom staatlichen Dopingsystem in Russland profitiert haben könnten, keine persönlichen Strafen für Sportler ausgesprochen werden können.

Hartes Durchgreifen nur vorgegaukelt?

Warum hat das IOC also trotzdem die lebenslangen Sperren verhängt? Weil ein genereller Ausschluss Russlands im Interesse des Verhältnisses zu Moskau unbedingt vermieden und der Öffentlichkeit trotzdem ein hartes Durchgreifen vorgegaukelt werden sollte. Das IOC ist nämlich absichtlich mit juristisch anfechtbaren Strafen vor dem Internationalen Sportgerichtshof (CAS) erschienen, um Russland durch die Hintertür weiter zu rehabilitieren.

Sperren einzelner Athleten als "Feigenblatt"

Der Bericht des Sonderermittlers der Welt-Anti-Doping-Agentur, Richard McLaren, hat den Nachweis erbracht, dass bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi 2014 flächendeckendes, systematisches und vom russischen Staat gelenktes Doping stattgefunden hat. Damit wurden Recherchen der ARD-Doping-Redaktion bestätigt und vertieft. Trotzdem wurde Russland nicht komplett suspendiert.

Schon als im Ergebnis des McLaren-Reports die ersten Meldungen von lebenslangen Olympia-Sperren für einzelne russische Spitzenathleten eintrudelten, haben Experten diese Sperren als "Feigenblatt" angesehen. Das IOC wollte demnach einem generellen Ausschluss Russlands von den Spielen in Korea vorbauen.

Keine harte Bestrafung Russlands gewünscht?

Die spätere Entscheidung, russische Sportler unter neutraler Flagge in Pyeongchang an den Start gehen zu lassen und Russlands Delegation bei der olympischen Abschlussfeier in Korea schon wieder mit allen Insignien der russischen Föderation aufmarschieren zu lassen, spricht auch dafür, dass das IOC und sein Präsident Thomas Bach an einer wirklich harten Bestrafung Russlands nicht interessiert waren.

Die CAS-Entscheidung könnte Folgen haben

169 russische Sportler haben bisher schon ein Startrecht für die Winterspiele erhalten. Die Delegation ist damit schon jetzt größer als die deutsche. Und das jetzige Urteil könnte dafür sorgen, dass beim IOC weitere Teilnahmewünsche aus Russland eingehen. Durchaus möglich also, dass die Freisprüche des CAS zur Basis für einen Start von bis heute noch lebenslang für Olympia gesperrten Athleten werden.

Das allerdings wäre ein gewaltiges Eigentor für das IOC. Die Herren der Ringe haben es jetzt selbst in der Hand, das zu verhindern. Sie allein entscheiden darüber, welche russischen Sportler in Pyeongchang tatsächlich starten dürfen.

Redaktion: Dirk Müller

Stand: 01.02.2018, 16:59