Urteil im BVB-Prozess: ein Kommentar

Bombenanschlag auf Bus des BVB, 11.04.2017

Urteil im BVB-Prozess: ein Kommentar

Im Prozess um den Anschlag auf den BVB-Bus hat das Gericht ein Urteil gefällt. Der Attentäter wurde zu 14 Jahren Haft verurteilt. Dieser Gerichtsprozess sei in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich gewesen, so Matthias Aust in seinem Kommentar.

Dieser Gerichtsprozess war in mehrfacher Hinsicht außergewöhnlich. Erst einmal natürlich wegen der zu Grunde liegenden Tat. Da muss man erst einmal drauf kommen, eine Fußballmannschaft zu attackieren, um an der Börse Geld zu machen. In dem James-Bond-Film "Casino Royale", da hat es so was Ähnliches schon mal gegeben. Da wollte der Filmbösewicht einen Anschlag auf einen Flugzeugprototypen verüben, um bei einem dann sinkenden Aktienkurs zu kassieren. Aber das war Fiktion – bis zum 11. April 2017 – dem Tag des Anschlags in Dortmund.

Außergewöhnlich war der Prozess auch durch den Angeklagten. Der 29-Jährige hat das gesamte Verfahren äußerlich so unbeteiligt verfolgt, dass es einen fast schaudern lässt. Eine durch und durch zerrissene Persönlichkeit, wie psychiatrische und psychologische Gutachten nahelegen. Er sei voller Feindseligkeit und Misstrauen einerseits und total narzisstisch und selbstverliebt andererseits. Die Prozessbeobachter haben nur eine tragische Figur gesehen, einen verschüchtert wirkenden jungen Mann, der so gut wie nie den Mund aufbekommen hat. Und der nicht wirklich erklären konnte oder wollte, warum er den Anschlag verübt hat. So wirklich nahegekommen ist ihm das Gericht in den elf Monaten, die das Verfahren gedauert hat, nicht. 

Und dann gab es da noch die denkwürdigen Zeugenauftritte der Spieler, die damals im Mannschaftsbus saßen: Einige von ihnen brachen vor Gericht in Tränen aus, als sie schildern sollten, was am Abend des 11. April passiert ist. Junge Leute, die extremen Druck gewohnt sind, die vor zehntausenden Zuschauern ihr Spiel machen, die können nicht mehr weitersprechen und müssen sich erst einmal fangen. Man vergisst in diesem Millionengeschäft  manchmal, dass auch Profisportler ganz normale Menschen sind, mit ganz normalen Empfindungen, Ängsten und Erinnerungen. Vielleicht ist das ja die wichtigste Erkenntnis dieses Prozesses.

Redaktion: Gertrud Sterzl

Anschlag auf BVB-Bus: Ein außergewöhnlicher Prozess

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 28.11.2018 | 01:51 Min.

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Stand: 27.11.2018, 18:19