Schlüssel zur Flüchtlingskrise liegt in Afrika

Flüchtlingsboot im Mittelmeer

Schlüssel zur Flüchtlingskrise liegt in Afrika

Der Kern der Flüchtlingsursachen sind nicht EU-Handelsverträge und Zollschranken, sondern Afrikas Eliten, meint Ralph Sina in seinem Kommentar.

Schlüssel zur Flüchtlingskrise liegt in Afrika

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 09.08.2018 | 03:48 Min.

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Europa kann Afrikas Flüchtlingskrise lösen. Vergleichsweise einfach. Zum Beispiel indem die Fischtrawler der EU Westafrikas Küste nicht mehr leerfischen. Indem ghanaische Tomatenanbauer keine italienischen Billig-Importe mehr fürchten müssen. Milchbetriebe in Burkina Faso endlich wieder einheimische Schulabgänger einstellen, weil sie nicht mehr mit dänischem Milchpulver konkurrieren müssen. Und Zwiebelbauern aus Kamerun nicht mehr mit niederländischen Zwiebelimporteuren um Markteinteile kämpfen. Indem EU-subventionierte Hähnchenteile nicht mehr auf den Märkten Angolas, Benins und der Demokratischen Republik Kongo angeboten werden.

Schnellste wachsende Volkswirtschaft der Welt: Ghana

Und vor allem: Indem Afrikas Agrar-Exporteure endlich einen zollfreien Zugang zum europäischen Markt haben. Und die exportorientierten deutschen Unternehmer endlich begreifen, dass nach Berechnungen die am schnellsten wachsende Volkswirtschaft der Welt in Afrika liegt. Und nach Berechnung des World Economic Forum den Namen Ghana trägt.

Wenn die EU nur endlich begreifen würde, dass sie selber den Schlüssel zur Lösung der afrikanischen Kernprobleme in der Hand hat, dann könnte sie auch längerfristig den Schleppern in Nordafrika das Handwerk legen. Und das Sterben im Mittelmeer beenden: Das ist die Botschaft des deutschen Entwicklungshilfeministers an Brüssel.

Es wäre befreiend für Afrika und auch für das benachbarte Flüchtlings-Ziel Europa, wenn diese Botschaft von Entwicklungsminister Müller Substanz hätte. Und Afrikas Flüchtlingskrise durch einen fairen Handel mit der EU zu beenden wäre. Durch mehr Investitionen deutscher Unternehmer. Und einen sogenannten EU-Marschallplan für Afrika.

Den Kern der Krise verantworten Afrikas sogenannte Eliten

Leider kann die EU Afrikas Flüchtlingskrise überhaupt nicht von außen lösen. Sondern nur Afrika selber. Denn den Kern dieser Krise verantworten Afrikas sogenannte Eliten. Ob der Kabila-Clan im Rohstoff-Eldorado der Demokratischen Republik Kongo. Ob die jahrzehntelange Mugabe-Dynastie in Zimbabwe - ein Großteil der afrikanischen Autokraten und Kleptokraten gehört wegen seiner Verbrechen gegen die Menschlichkeit im eigenen Land vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag.

Entwicklungsminister Müller irrt fundamental, wenn er glaubt, die Zollschranken der EU beschränkten Afrikas Entwicklungschancen. Alle afrikanischen Staaten hatten seit ihrer Unabhängigkeit jahrzehntelang einen völlig zollfreien Handelszugang zur EU. Bis die Welthandelsorganisation WTO diese einseitige Marktöffnung für rechtswidrig erklärte. 34 Länder Afrikas können trotzdem weiterhin wegen eines speziellen EU-Programms alle Güter zollfrei in den europäischen Binnenmarkt exportieren. Alles mit Ausnahme von Waffen.

Gleichzeitig haben Nigeria, Senegal, die Elfenbeinküste und Kamerun die Einfuhr von EU-Billigfleisch verboten. Geändert hat es an der wirtschaftlichen Aussichtslosigkeit und dem Flüchtlingsdruck in diesen Ländern nichts. Weil sie kaum etwas produzieren, was sie diesseits von Rohstoffen wie Rohöl und Kaffeebohnen exportieren könnten. Noch nicht einmal eine Luftpumpe. Geschweige denn ein Fahrrad.

Eliten investieren lieber in Steuerparadiese

Deswegen scheitern die meisten afrikanischen Staaten auch nicht an Zollschranken. Weder an den sehr hohen innerafrikanischen, noch den niedrigen oder gar nicht vorhandenen der EU. Afrikas Krisenzentren scheitern an der Beschränktheit und Menschenverachtung ihrer eigenen politischen Eliten. Die ihre Milliarden nicht in Infrastruktur investieren. Nicht in die Entwicklung der Landwirtschaft. Nicht in Afrikas Schulen, Universitäten und die Ausbildung von Handwerkern. Sondern in Steuerparadiese innerhalb und außerhalb der EU.

Die sogenannte Entwicklung ihrer Staaten überlassen sie China. Der neuen Kolonial- und Rohstoff-Ausbeutungsmacht des Kontinents. China errichtet in Afrika zwar reihenweise Konfuzius-Institute und bietet Bankern in Namibia Mandarin-Kurse an. Die neuen Kolonialherren aus Peking schaffen aber kaum Arbeitsplätze für Afrikas Jugend. Der Schlüssel zur Überwindung der afrikanischen Flüchtlingskrise liegt in Afrika. Und nicht in Brüssel.

Redaktion: Brigitte Simnacher

Stand: 08.08.2018, 17:28