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Kohle: Ein Abschied mit Stil

Abschiedsgottesdienst Zeche Prosper Haniel

Kohle: Ein Abschied mit Stil

Nun ist es soweit: Am 21.12.2018 wird das letzte Stück Steinkohle in Deutschland gefördert. Die Wertschätzung, die den Bergleuten in den Wochen des Abschieds entgegengebracht wurde, hält Sebastian Wehner in seinem Kommentar für völlig angebracht.

Ein Abschied mit Stil. Ich bin wirklich beeindruckt, mit wieviel Wertschätzung und Zusammenhalt der Steinkohlenbergbau und seine Kumpel verabschiedet werden. Seit Wochen sind Radio, Fernsehen und Zeitungen in ganz Deutschland voll mit Geschichten rund um den Bergbau. Meistens geht es dabei um Emotionen, Werte, harte Arbeit, Wohlstand und die Familien, die über Generationen unter Tage gearbeitet haben.

Junge Menschen erzählen stolz von ihren Opas, die auf Zeche geschuftet haben. Dabei könnten sie auch berichten, dass der Opa eigentlich sein ganzes Leben nur gearbeitet, sich kaputt gemacht hat und dann früh an Staublunge gestorben ist. Aber Nein. Die Bergleute gehen als Helden und das finde ich großartig. Nicht nur, weil ich diese Welt unter Tage faszinierend finde. Nein, ich finde es großartig, weil es ein so besonderes Zeichen von Respekt ist.

Es könnte am laufenden Band von den Umweltsünden aus der Geschichte des Steinkohlenbergbaus erzählt werden. Von krebserregendem PCB, das eine Gefahr für das Grundwasser ist. Von ganzen Stadtteilen im Ruhrgebiet, die von Rissen in Häusern und abgesackten Vorgärten durchzogen sind. Von Milliarden und aber Milliarden, mit denen die Arbeitsplätze der Kumpel in Deutschland subventioniert wurden. Auch darüber muss wieder gesprochen werden. Aber jetzt geht es erstmal um die Menschen, die ihren Arbeitsplatz, ihre Aufgabe ihren Lebensinhalt verloren haben. Die für den Abbau der Kohle über Generationen ihre Gesundheit gelassen haben. Dieser Blick fehlt mir oft bei aktuellen Diskussionen. Das Gespür, die Empathie.

Es zeugt für mich von einem wertschätzenden Umgang miteinander, der uns allen auch in anderen Bereichen gut tun würde. Es geht um die Kumpel und ihre Familien, die sie ernähren! Männer, die nicht überflüssig viele Worte verlieren. Die einen aber mit ihrem Schwärmen über den dreckigen, gefährlichen, anstrengenden und krankmachenden Job anstecken können. Weil sie viel von Werten erzählen, die sie jeden Tag gelebt haben. Bis zuletzt. Alle sind füreinander da, und Kumpel müssen sich auf einander verlassen können. Woher du kommst, wer du bist, das ist egal. Hauptsache du packst an und bist für den anderen da. Zusammenhalt. Kein Shitstorm, kein anonymes Beleidigen.

Das klingt nach Sozialromantik, das stimmt. Der Blick ist in der Sentimentalität des Abschieds auch etwas verklärt. Aber: Den Geist der Kumpel sollten wir uns als Erbe des Steinkohlenbergbaus bewahren. Das fände ich toll. Tschüss Kumpel. Ihr werdet fehlen!

Redaktion: Patrick Raulf

Stand: 20.12.2018, 17:52