Abbiegeassistent: sinnvoller Schutz vor LKW-Unfällen

Ein Radfahrer steht mit seinem Fahrrad neben einem LKW mit einem Abbiegeassistenten.

Abbiegeassistent: sinnvoller Schutz vor LKW-Unfällen

Allein in Deutschland sterben jedes Jahr 30 bis 40 Menschen durch abbiegende Laster. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hat mit Experten und Branchenverbänden die "Aktion Abbiegeassistent" ins Leben gerufen. Ein Kommentar von Hendrik Buhrs.

Es ist ein unscheinbares schwarzes Viereck, ein Stückchen hinter der Beifahrertür eines Lastwagens. Der sogenannte Totwinkel-Assistent späht elektronisch um sich, ob ein Radfahrer oder Fußgänger seitlich neben dem LKW ist. Wenn ja, warnt und bremst er den tonnenschweren Laster. Solche Assistenten soll es häufiger geben - so das Fazit des Runden Tisches bei Verkehrsminister Andreas Scheuer in Berlin. Gut und richtig, dass die Zusammenstöße zwischen den wohl stabilsten und den verletzlichsten Straßenbenutzern endgültig auf oberster politischer Ebene in Berlin angekommen sind.

Abbiegeassistent: sinnvoller Schutz vor LKW-Unfällen

WDR 5 Morgenecho - Kommentar | 11.07.2018 | 03:03 Min.

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Scheuer ist zu loben, dass er zum Runden Tisch eingeladen hat. Wenn gesetzlich verpflichtende Assistenten - als eine europäische Vorschrift - noch mehr als drei Jahre auf sich warten lassen, sind Förderprogramme und weitere Anreize für mehr freiwillige Abbiege-Assistenten sinnvoll. Setzt sich der bisherige Trend fort - und man traut sich kaum, diese Schätzung auszusprechen - könnten bis 2022 nämlich etwa hundert weitere Menschen bei Abbiegecrashs mit LKW sterben.

Noch zu viele Punkte unklar

Einen bemerkenswerten Effekt hat das gestrige Spitzentreffen außerdem gehabt: Es gibt eine ganze Reihe von Firmen, die gerne als Vorreiter dastehen möchten. Edeka, Aldi, DB Schenker: deren große LKW-Fuhrparke werden in Eigenregie mit dem elektronischen Assistenten ausgestattet. Im Detail sind aber noch zu viele Punkte unklar. Der Verkehrsminister hat nichts über die Größe des geplanten Fördertopfes gesagt. Das sollte er schnell nachreichen. Ich habe auch einige deutliche Worte an die Adresse von Städten und Gemeinden vermisst. Verwirrende Verkehrsregeln tragen nämlich an vielen Kreuzungen dazu bei, dass Unfälle wahrscheinlicher werden.

Oft können Kleinigkeiten viel helfen – ein paar Sekunden früher "grün" an der Ampel für Fußgänger und Radler, damit sie quasi automatisch sichtbarer werden. Und die Kommunalpolitiker im Land könnten sich in Münster ein paar Ideen abschauen. Die Fahrradhochburg hat mehr als 100 fest angebrachte Spiegel an Kreuzungen installiert, die Brummifahrern einen besseren Überblick verschaffen. Und Münster hat an Busse und LKW im Stadtgebiet warnende Aufkleber verteilt. Am sichersten, steht darauf, sind Radfahrer, wenn sie hinter diesen großen Fahrzeugen bleiben. So ist es.

Bitte bleiben Sie dran!

Vorfahrt haben und Vorfahrt nutzen sind schließlich zwei unterschiedliche Dinge. Abbiegeassistenten als technische Unterstützung haben trotzdem ihre Berechtigung. Aber wie so oft im Straßenverkehr ist der vorsichtige Weg oft der sicherere. Wir werden in Zukunft mehr LKW, mehr Busse und mehr Fahrräder auf unseren Straßen haben. Die einen bringen immer mehr Produkte von A nach B, die wir dann gerne kaufen. Die anderen helfen, einige PKW-Fahrten überflüssig zu machen. Deshalb bleibt das Crash-Problem ein dringliches. Herr Minister Scheuer, bitte bleiben Sie dran!

Redaktion: Patrick Fina