Klimawandel: "Großer Schritt machbar, wenn jeder kleine Schritte macht"

Greenpeace-Podiumsdiskussion während der Klimakonferenz am 02.12.2018

Klimawandel: "Großer Schritt machbar, wenn jeder kleine Schritte macht"

Wie sollen wir dem Klimawandel begegnen? Diese Frage wird auf der Klimakonferenz in Kattowitz diskutiert. Lukas Kiefer vertritt dort die junge Generation, die auf erneuerbare Energien setzt und jeden Einzelnen in die Verantwortung nimmt.

WDR 5: Sie sind zum ersten Mal auf einer Klimakonferenz. Findet man sich sofort zurecht oder ist man erst einmal erschlagen von dem, was da alles auf einen zukommt?

Lukas Kiefer: Absolut erschlagen! Das ist wirklich beeindruckend, wie viele Menschen aus so vielen Ländern hier zusammen kommen, um dieses Klima-Thema zu besprechen. Ich glaube, das wird auch noch die nächste Zeit brauchen, sich da rein zu finden.

Junge Menschen auf der Klimakonferenz

WDR 5 Morgenecho - Interview | 03.12.2018 | 06:01 Min.

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WDR 5: Was wollen Sie denn auf dem Gipfel erreichen?

Kiefer: Uns geht's vor allem darum, die Ziele des Pariser Abkommens umzusetzen, damit auch wirklich etwas passiert und nicht nur viel geredet wird. Gerade die jungen Menschen sind die Menschen, die den Klimawandel in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ausbaden müssen, so dass Jugendpartizipation für uns eine sehr große Rolle spielt. Sowohl inhaltlich als auch über eine chte Teilhabe.

WDR 5: Aber wie wollen Sie es schaffen, auf sich aufmerksam zu machen?

Demonstrantin hält Plakat hoch mit der Aufschrift: "What I stand for, is what I stand on"

Von Köln bis Brüssel: Die Klimakonferenz wird begeleitet von zahlreichen Demonstrationen

Kiefer: Da haben wir verschiedene Möglichkeiten. Zum einen arbeiten wir in kleinen Arbeitsgruppen Positionspapiere zu bestimmten Themen aus, in denen wir sagen, was wir uns vorstellen. Dann versuchen wir, Treffen mit deutschen und internationalen Länderdelegationen zu erreichen, wo wir im persönlichen Gespräch unsere Meinung unterbringen können. Zum anderen organisieren wir auch Aktionen, die in der nächsten Zeit hier stattfinden werden, um kreativ auf einiges aufmerksam zu machen.

WDR 5: Was für Aktionen sind das?

Kiefer: Ich kann das tatsächlich noch nicht so genau sagen, weil es sehr viele verschiedene Arbeitsgruppen gibt, die sich in den nächsten Tagen noch genauer damit auseinandersetzen werden, so dass Sie auf jeden Fall gespannt sein müssen, was da auf Sie zukommt!

WDR 5: Sie sind 22 Jahre alt, studieren in Köln Erneuerbare Energien und machen gerade ein Praktikum bei einem Windkraftunternehmen in Berlin. Sind erneuerbare Energien Ihr Hauptthema?

Lukas Kiefer

Umweltaktivist Lukas Kiefer setzt sich in Kattowitz für erneuerbare Energien ein

Kiefer: Auf jeden Fall. Ich glaube, dass gerade der Energiesektor einen großen Anteil an Treibhausgasen hat, was man ja auch an den Kohlediskussionen in Deutschland sieht. Ich glaube, dass langfristig auf jeden Fall der Wandel zu erneuerbaren Energien passieren muss - mit neuen Technologien, neuen Speichermöglichkeiten. Genau das ist mein Thema, das ich hier auch verstärkt einbringen möchte.

WDR 5: Wie sind Sie als Jugendorganisation international vernetzt?

Kiefer: Es finden regelmäßig Telefongespräche statt, weil Treffen natürlich eher schwierig möglich sind, um gemeinsame Positionen zu finden. Allerdings hat unsere Delegation zum Beispiel vor einem Jahr einen Austausch mit den Fidschi-Inseln gemacht, wo dann Jugendliche von uns vor Ort waren und im Gegenzug dann auch Jugendliche aus Fidschi auf der Konferenz in Bonn im letzten Jahr waren.

WDR 5: Welche Verantwortung kann Ihres Erachtens jeder Einzelne übernehmen?

Kiefer: Ich glaube, dass gerade das einer der wichtigsten Punkte ist. Die Energie, die jeder für sich benötigt, steigt immer mehr, weil verschiedene Produkte erzeugt werden müssen. Gerade dabei kann ein großer Schritt gemacht werden, wenn jeder für sich kleine Schritte macht. Das heißt, indem jeder einfach das reduziert, was er verbraucht, Essen nicht wegschmeißt, sondern wirklich nur bezieht, was er braucht. Dann ist jeder Einzelne gefragt. Die Klimakonferenz ist das Große und die kleinen Schritte der einzelnen Personen sind das viel Wichtigere, um da auch wirklich was umzusetzen.

WDR 5: Gab es auf der Klimakonferenz in Kattowitz jetzt schon eine Begegnung, die Sie wirklich überrascht hat?

Logo der Klimakonferenz in Kattowitz umgeben von den Flaggen der Teilnehmerländer

Internationale Zusammenarbeit gefragt: Klimawandel betrifft die ganze Welt

Kiefer: Gerade die Treffen, die ich gestern mit Jugendlichen aus Fidschi hatte: Man sieht halt wirklich, dass es ein internationales Thema ist und nicht nur von uns in Deutschland oder Europa bearbeitet werden kann, sondern rund um die Welt geht.

WDR 5: Wie lange wollen Sie bleiben?

Kiefer: Ich bleibe bis nächste Woche Samstag, wobei dann auch noch Teile unserer Delegation nachkommen. Wir haben uns das aufgeteilt, so dass wir immer vor Ort sind und auch andere junge Menschen immer da sind.

Die Fragen stellte Judith Schulte-Loh im Morgenecho vom 03.12.2018. Für eine bessere Rezeption weicht die schriftliche Fassung des Interviews an einigen Stellen vom gesendeten Interview ab und ist gekürzt. Die intendierte Ausrichtung der Fragen und Antworten bleibt dabei unberührt.

Stand: 03.12.2018, 10:00