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Ruhrbischof: "Es gibt immer auch systemische Gründe für Missbrauch"

Porträtbild, Franz-Josef Overbeck im Gespräch

Ruhrbischof: "Es gibt immer auch systemische Gründe für Missbrauch"

Die Erwartungen an die Konferenz im Vatikan zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche sind hoch. Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck sagt, dass es immer auch systemische Gründe gebe, die für solche Delikte verantwortlich sind.

Auf Einladung des Papstes treffen sich von Donnerstag (21.02.2019) an die Spitzen der Bischofskonferenzen aus aller Welt im Vatikan, um über den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche zu beraten. Für Franz-Josef Overbeck, Bischof im Bistum Essen, ist es ein historischer Moment, weil die katholische Kirche zum ersten Mal weltweit auf dieser Ebene das Thema angeht.

"Der Missbrauch in der katholischen Kirche geht alle an"

WDR 5 Morgenecho - Interview 21.02.2019 05:48 Min. Verfügbar bis 21.02.2020 WDR 5

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"Opfern beistehen, Täter verfolgen"

Die Erwartungen sind entsprechend hoch. "Die Konferenz muss leisten, dass das Bewusstsein in allen Ländern der Erde angesichts der Abgründigkeit dieser Taten wirklich wächst und alle Verantwortung wahrgenommen wird, die Opfer zu schützen, ihnen beizustehen, aber auch die Täter zu verfolgen", so Bischof Overbeck im Interview im WDR 5 Morgenecho. Das sei in den Ländern noch sehr unterschiedlich ausgeprägt, abhängig von den Kulturen und den Fällen, die schon öffentlich geworden sind. Alle müssten dazu verpflichtet werden, die Standards nachprüfbar einzuhalten, was Prävention, Schutz von Opfern, Erziehung von Priestern angeht, fordert der Ruhrbischof.

Opfer und deren Vertreter fordern vor allem klare und verbindliche Anweisungen an jeden Bischof, wie er mit Verdachtsfällen in seiner Diözese umzugehen hat und dass die Übergabe eines jeden Verdachtsfalles an staatliche Ermittlungsbehörden obligatorisch wird. Es sei angesagt, das zu tun, allerdings sei dies in einem demokratischen Land wie Deutschland anders als in manch anderen Ländern der Erde, räumt Overbeck ein.

"Wir haben immer offen kommuniziert"

Im Bistum Essen seien entsprechende Verdachtsfälle in der Vergangenheit an die Staatsanwaltschaften weitergemeldet worden. "Wir haben immer offen kommuniziert." Mit den Opfern sei gesprochen, therapeutische und andere Hilfe angeboten worden, auch für deren Familienangehörige, die mit in das Leid hineingezogen wurden. Zu den Hilfen gehörten auch Schmerzensgeldzahlungen. Die Bischofskonferenz habe sich dabei auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt. Von einer Gruppe werde mit Blick auf jeden einzelnen Fall entschieden, wie viel Geld gegeben wird. Dabei gehe es um Summen von 1.000, 10.000 Euro und noch mehr, so Overbeck.

Kritisch unter den Bischöfen ist, ob Systemstrukturen in der katholischen Kirche Delikte sexuell motivierter Gewalt fördern. Es gebe immer auch systemische Gründe, stellt der Bischof klar. "Sexueller Missbrauch ist nicht nur ein persönliches Thema einzelner Täter, sondern vor allem ein Thema der gesamten Kirche."  

Stand: 21.02.2019, 11:11