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Laumann: "Die Geburtshilfe ist nicht schlecht bezahlt"

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Laumann: "Die Geburtshilfe ist nicht schlecht bezahlt"

Zahlreiche Geburtsstationen mussten schon schließen, die Wege für werdende Eltern werden länger. NRW-Gesundheitsminister Laumann will, dass in NRW in 30 bis 40 Minuten ein Kreißsaal zu erreichen ist. Die Geburtshilfe hält er für "ausreichend finanziert".

WDR 5: Es gab Zeiten, da hatte NRW 290 Geburtsabteilungen in Kliniken. Jetzt sind es nur noch 140, haben wir recherchiert. Da muss es knapp werden, da müssen die Wege länger werden. Das macht vielen Frauen Sorge.

Karl-Josef Laumann: Das ist richtig. Auf der anderen Seite ist es so, dass in Nordrhein-Westfalen immerhin noch über 40 Prozent der Krankenhäuser einen Kreißsaal unterhalten. Ich glaube auch nicht, dass wir hier eine Situation haben, wo man länger als 40 Minuten unterwegs ist, um einen Kreißsaal zu erreichen. Aber wahr ist auch: Die Kreißsäle sind bei uns nicht Bestandteil der Krankenhausplanung und deswegen können Krankenhäuser, wenn sie an einem Kreißsaal nicht interessiert sind, ihn schließen. Dagegen kann ich gar nichts machen.

Laumann: "Sehr gute geburtliche Versorgung"

WDR 5 Morgenecho - Interview 12.04.2019 05:41 Min. WDR 5

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Deswegen ist für mich völlig klar: Wenn wir nächstes Jahr in Nordrhein-Westfalen einen neuen Krankenhausplan aufstellen, steht heute schon für mich fest, dass wir die Kreißsäle in die Krankenhausplanung aufnehmen werden. Denn sie dürfen nicht weiter auseinander fallen. Und ich will, dass die Menschen in Nordrhein-Westfalen in 30 bis 40 Minuten einen Kreißsaal erreichen.

WDR 5: Bedeutet das eine Bestandsgarantie für die Geburtsabteilungen, die es jetzt gibt? Wird es keine weiteren Schließungen geben?

Laumann: Zumindest kann es dann keine Schließungen geben, ohne dass wir woanders Ersatz suchen. Wir haben natürlich auch manchmal die Situation, dass bestimmte Kliniken bei werdenden Müttern sehr beliebt sind. Dort haben wir dann unter Umständen 2.000 bis 2.500 Geburten, solche Kliniken gibt es auch im Münsterland. Und Sie können sich vorstellen, dass das in einer dünn besiedelten Region bedeuten kann, dass andere Krankenhäuser dann so wenig Geburten haben, dass sich das für sie gar nicht mehr lohnt.

Was ich damit sagen will: Es ist auch eine Realität, dass werdende Mütter an zwei, drei Krankenhäusern, die Kreißsäle haben, vorbeifahren, um ein bestimmtes Krankenhaus zu erreichen. Und wenn Sie sich jetzt vorstellen, dass ein Krankenhaus nur noch 365 Geburten hat, dann bedeutet das im Schnitt im Jahr jeden Tag eine Geburt. Und für eine Geburt im Schnitt am Tag kann man kaum das Personal finanzieren, das man braucht, um rund um die Uhr einen Kreißsaal betreiben zu können. Das ist nicht möglich.

WDR 5: Wenn doch aber die Geburtshilfe wie die Notfallambulanz zur Grundversorgung gehört, muss sie sich dann nicht von dieser Kostenrechnung lösen? Müssen wir nicht sagen: Das ist es uns wert, dass es weniger lukrativ, weniger ökonomisch zugeht in der Geburtshilfe?

Laumann: Die Geburtshilfe ist ja nicht schlecht bezahlt in unserem Gesundheitssystem. Es ist eine medizinische Leistung, die von den gesetzlichen Krankenkassen ausreichend finanziert wird. Aber ich will mal so sagen: Es ist heute sicherlich für ein Krankenhaus schwierig, mit unter 500 Geburten im Jahr eine Geburtsstation wirtschaftlich zu betreiben.

WDR 5: Emmerich ist so ein Fall zum Beispiel.

Laumann: Ja. Andersrum haben wir auch Krankenhäuser, wo wir wesentlich weniger Geburten haben. Dann können sie auch Sicherstellungszuschläge machen. Aber dann sind das auch sehr kleine Krankenhäuser, die geografisch so liegen, dass man sie unbedingt braucht.

WDR 5: Herr Laumann, es gab eine interessante Formulierung in Ihrer ersten Entgegnung. Da haben Sie gesagt, Sie glauben nicht, dass es mehr als 40 Minuten Wegzeit sind. Nun haben wir Frauen, die uns ausdrücklich das schildern, die erlebt haben, dass sie viel länger gebraucht haben, eineinhalb Stunden. Das wäre Fakt und nicht Glaube.

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Laumann: Den Fakt möchte ich dann sehen, wo Sie in Nordrhein-Westfalen eineinhalb Stunden brauchen, um einen Kreißsaal zu erreichen. Wenn natürlich eine Brücke über einem Fluss gesperrt ist, kann ja alles mal passieren. Aber ansonsten erreichen Sie in Nordrhein-Westfalen einen unserer 146 Kreißsäle schon in dem vom G-BA vorgegebenen Zeitrahmen.

Es ist ja auch nicht so, dass wir weniger Kinder haben, sondern eine große Steigerung der Geburten. Wir haben Geburtsabteilungen mit mehr Geburten. Das ist auch gut so. Viele Menschen möchten für eine Geburt die Rückendeckung eines Krankenhauses haben, wo es eine Frühgeborenen-Intensivstation und vieles andere gibt. Insofern glaube ich schon, dass wir eine sehr, sehr gute geburtshilfliche Versorgung in Nordrhein-Westfalen haben.

WDR 5: Was wird im nächsten Krankenhausplan stehen, auf das sich Hebammen sowie werdende Mütter und Väter verlassen können?

Laumann: Im nächsten Krankenhausplan wird mit Sicherheit stehen, dass wir wollen, dass in circa 30 bis 40 Minuten ein Krankenhaus ist, in dem man auch Kinder kriegen kann.

Das Gespräch führte Uwe Schulz im WDR 5 Morgenecho vom 12.04.2019

Für eine bessere Rezeption weicht die schriftliche Fassung des Interviews an einigen Stellen vom gesendeten Interview ab und kann teilweise gekürzt sein. Die intendierte Ausrichtung der Fragen und Antworten bleibt dabei unberührt.

Stand: 11.04.2019, 16:24