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Kommentare: Pro und Contra zur Frauenquote in der Politik

Bundestag

Kommentare: Pro und Contra zur Frauenquote in der Politik

Von Isabel Reifenrath und Horst Kläuser

SPD-Chefin Andrea Nahles will den Frauenanteil im Bundestag erhöhen. Sollte die Geschlechterparität im Parlament gesetzlich festgelegt werden? Ja, meint Isabel Reifenrath. Nein, kommentiert Horst Kläuser.

Frauenquote im Bundestag: Pro und Contra

WDR 5 Morgenecho - Kommentar 19.02.2019 03:30 Min. WDR 5

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Frauen würden strukturell benachteiligt, deshalb sei eine Frauenquote für den Bundestag genau das richtige Instrument, kommentiert Isabel Reifenrath. Mit mehr Frauen in den Parlamenten würde sich auch die Politik ändern.

Keine Frau will gewählt werden, weil sie Frau ist. Aber Männer werden aufgestellt, weil sei Männer sind. Und darum geht es.

Warum generell nur wenige Frauen zur Wahl stehen? 70 Prozent der Bundestagsabgeordneten sind Männer, nur 30 Prozent Frauen. Alle wissenschaftlichen Studien zum Thema kommen zum gleichen Ergebnis: Hauptursache ist, dass politische Posten noch immer von Männern an Männer weitergegeben werden: Männer suchen Nachwuchs – am liebsten männlichen. Und das bedeutet, Männer werden einfach öfter gefragt, ob sie kandidieren.

Frauen hingegen trauen sich nicht in die Politik zu gehen, um Listenplätze zu kämpfen oder sie glauben, sie schaffen es eh nicht mit Kind, Wäsche und Schwiegermutter zu Hause. Deshalb könnte ein Paritätsgesetz helfen, diesen Nachteil zu überwinden.

Abgeordnete sind Vertreter der Gesellschaft und die Gesellschaft besteht ja auch nicht zu 70 Prozent aus Männern. Frauen machen anders Politik. Sie setzen andere Themen, führen Debatten anders. Ein 50/50-Anteil Männer/Frauen im Bundestag würde deshalb wahnsinnig viel verändern. Das ganze Bild von Politik. Die Wahlbeteiligung von Frauen könnte steigen, ihr Interesse an politischen Themen und auch ihre Selbsteinschätzung. 50/50 wäre daher nur sinnvoll und fair.

Frauen machen genauso gut Politik wie Männer, meint Horst Kläuser. Doch eine Frauenquote festzulegen, sei falsch. Schließlich sollte es um Inhalte gehen und nicht ums Geschlecht.

Was für ein politischer Unfug. Kein vernünftiger Mensch – Männer mal eingeschlossen – kann doch ernsthaft glauben, Frauen seien schlechtere Politiker. Ich will mehr Frauen in den Parlamenten, aber doch nicht per Quote oder Paritätsgesetz.

Frauen dürfen und sollen in Deutschland alles. Sie können Kanzler und General, Truckdriver und natürlich Abgeordnete – durch Wahl. Frauen sind in der Politik genauso gut wie Männer, auch schlechter, manche besser. Wenn sie kandidieren und mir ihre Politik zusagt, wähle ich sie oder auch nicht, wegen der Inhalte, wegen ihrer Persönlichkeit, wegen ihres Programms, wegen ihres Auftritts, aber ich wähle sie definitiv nicht, weil sie Frau oder Mann sind.

Sollte wirklich in neu zugeschnittenen Wahlkreisen jede Partei eine Frau und einen Mann aufstellen müssen, könnte das Geschlecht plötzlich wichtiger werden als der Inhalt. Ich finde starke Frauen stark. Ich möchte mehr von ihnen sehen und hören. Schafft Chancen dafür! Aber ich wähle sie ausschließlich, weil sie mich überzeugen und nicht, weil sie per Gesetz zur Kandidatin gemacht wurden. Ich glaube auch nicht, dass es viele Frauen gibt, die gewählt werden wollen, weil sie Frau sind.

Stand: 19.02.2019, 10:00