Pränatale Bluttests: "Entscheidend ist die Beratung"

Hebamme tastet Bauch einer Schwangeren ab

Pränatale Bluttests: "Entscheidend ist die Beratung"

Der Bundestag debattiert über pränatale Bluttests als mögliche Kassenleistung. Entscheidend sei die umfassende Beratung von Schwangeren und der Umgang der Gesellschaft mit behinderten Menschen, so Kathrin Vogler (Die Linke) und Medizinethikerin Christiane Woopen.

Soll ein Bluttest bei Risikoschwangerschaften Kassenleistung werden – ein Bluttest, der über ein mögliches Down-Syndrom beim Fötus aufklärt? Darüber findet am Donnerstag (11.04.2019) im Bundestag eine Orientierungsdebatte statt. Kathrin Vogler (Die Linke) hat sie mit weiteren Abgeordneten parteiübergreifend gefordert. Ihr geht es um die Frage, wie damit umzugehen ist,  dass "Menschen mit bestimmten Genveränderungen möglicherweise in dieser Gesellschaft das Signal bekommen: Du bist hier nicht erwünscht." Genau das müsse vermieden werden, betont sie im Interview im WDR 5 Morgenecho: "Menschen mit Down-Syndrom gehören in diese Gesellschaft."

Kathrin Vogler (Die Linke) über Pränatale Bluttests: "Beratung ändern"

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.04.2019 05:54 Min. Verfügbar bis 10.04.2020 WDR 5

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Test nur für diejenigen, die ihn zahlen können: "Macht keinen Sinn!"

Für Selbstzahler gibt es diesen Bluttest bereits seit 2012, er kostet in der Regel zwischen 200 und 600 Euro, nur einige Krankenkassen haben die Kosten bei Risikoschwangerschaften übernommen. Jetzt stehen Überlegungen an, ihn in Risikofällen als Kassenleistung anzuerkennen. Darüber entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Patienten und Krankenkassen.

Bei dem Test reicht eine Blutabnahme und genetische Untersuchung im Labor, um festzustellen, ob der Fötus unter einer Trisomie leidet – ob das 21. Chromosom dreimal und nicht zweimal vorliegt wie bei gesunden Föten. Es ist eine einfache, nicht-invasive Untersuchung.

Christiane Woopen, Medizinethikerin an der Universität Köln, hält nichts davon, wenn bei Risikoschwangerschaften die Kosten für invasive Techniken wie die Fruchtwasseruntersuchung, die zudem mit einem Fehlgeburtsrisiko einhergehen, übernommen werden – für den Bluttest ohne Risiko auf eine Fehlgeburt aber nicht. "Dann eröffnet man diese Möglichkeit nur denen, die sie selbst zahlen können, und das kann nicht Sinn der Sache sein."

Medizinethikerin Christiane Woopen zur Pränataldiagnostik: "Verantwortung der Gesellschaft"

WDR 5 Morgenecho - Interview 11.04.2019 06:57 Min. Verfügbar bis 10.04.2020 WDR 5

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"Eltern Ängste nehmen"

Sie sieht vor allem eine Verantwortung bei Ärzten, vor einem Test zu beraten, um zu vermeiden, dass "Schwangere in einen Automatismus hineinstolpern." Eine weitere Verantwortung liege bei der Gesellschaft, wertschätzend mit Menschen mit Behinderung umzugehen und nicht Familien, die mit einem Kind mit Down-Syndrom leben, mit der Frage zu konfrontieren: "Das wäre ja nicht nötig gewesen, wenn du diesen Test gemacht hättest."

Für Kathrin Vogler (Die Linke) ist entscheidend, welche Beratung Eltern bekommen und dass Ärzte nicht nur risikoorientiert beraten. "Wir müssen Eltern auch die Möglichkeit geben, sich damit auseinanderzusetzen, wie Familien mit einem Kind mit Down-Syndrom leben. Man muss ihnen Ängste nehmen."

Stand: 11.04.2019, 13:23