Bobo & Herzfeld

Dunkle Wolke - Frischer Wind

Stand: 24.11.2021, 16:50 Uhr

Seit fünfzehn Jahren nehmen deutsche Volkslieder wieder Fahrt auf. Was Herder "entdeckte", die Brüder Grimm kultivierten und die Nazis für ihre Ideologie missbrauchten, reicht zurück bis ins 12. Jahrhundert.

Von Elise Schirrmacher

Dunkle Wolke - Frischer Wind

WDR 5 Liederlounge 19.12.2021 55:37 Min. Verfügbar bis 19.12.2022 WDR 5


Wirklich originelle Pionierarbeit des jüngsten Volkslied-Revivals leistete die süddeutsche Band "Deitsch" mit dem Debüt "Königskinder" (2005). Aber auch das ostdeutsche Duo "Bobo & Herzfeld" (Titelbild) mit "Lieder von Liebe und Tod" (2007) bewiesen, dass ein moderner, phantasievoller Blick auf die Lieder von damals möglich ist - und vielleicht auch das A und O im Umgang mit dem belasteten Erbe. Eindrucksvoll ist diese Mischung aus Respekt und Experimentierfreude gerade auch wieder der Band "Tworna" gelungen, deren gleichnamiges Album diesen Sommer den Preis der deutschen Schallplattenkritik in der Sparte "Folk" gewann.

Deitsch

Die Band "Deitsch"

Die inzwischen vielfältige und ausgesprochen junge Deutschfolk-Szene von heute (Tworna, HüSch!, Deitsch, Bube-Dame-König, Unfolkkommen, Short-Tailed-Snails, Trad-Töchter, Akleja und viele mehr) ist die Nachfolgegeneration des ost- und westdeutschen, friedensbewegten Folkrevivals der 70er und 80er Jahre mit Bands wie Folkländer, Liederjan und Zupfgeigenhansel. Der beste Kenner dieser Musik ist der Programmdirektor des Tanz- und Folkfestivals Rudolstadt, Bernhard Hanneken. Er beschreibt in seinem gerade erschienenen "Deutschfolk"-Buch die zweite Generation als weniger politisch, dafür aber kreativer und romantischer als die erste. 

Die ausgewählten, bis ins Mittelalter reichenden Lieder geben Bernhard Hanneken recht, was die Kreativität und (Neo-)Romantik angeht. Aber es gehört auch eine große Portion Mut und historisches Bewusstsein dazu, in Zeiten von Pegida, AFD und Corona-Verschwörungsmythen traditionelles Liedgut wiederzubeleben, ohne einer nationalistischen Heimat-Tümelei zuzuarbeiten. Um die Vereinnahmung von rechts zu verhindern, promotet die DeutschFolk-Initiative (DeFI) den "Elmstein-Konsens" - ein Manifest gegen rechte Einflüsse in der Musik, unter dem Logo eines aufrecht stehenden, wachsam lauschenden Erdmännchens: Hier sprechen sich alle Unterzeichnenden für Vielfalt aus und gegen Ausgrenzung, Fanatismus, Populismus, Rassismus und Verschwörungsmythen. Das Elmstein-Gütesiegel können sich alle einverstandenen Bands und Veranstalter kostenfrei herunterladen. Hut ab und weiter so.

Gespielte Titel:

  • Liederjan: "Hans Vagelnest"
  • Zupfgeigenhansel: "Es wollt ein Bauer früh aufstehn"
  • Tworna: "Heissa Kathreinerle"
  • Tworna: "Kume, kum Geselle min"
  • Tworna: "Der schwere Traum"
  • Short Tailed Snails: "Ich zoch mir einen Valken"
  • HüSch!: "Maienzeit"
  • Deitsch: "Deutscher / Altländer" (instrumental)
  • HüSch: "Es geht ein dunkle Wolk herein"
  • Deitsch: "Es geht eine dunkel Wolk herein"
  • Bobo & Herzfeld: "Es geht eine dunkle Wolk herein"
  • 2Duos: "Rheinbraut"
  • Unfolkkommen: "Es ist ein Schnee gefallen"
  • Bube-Dame-König: "Schnitter Tod"
  • Bube-Dame-König: "Vom Himmel hoch"
  • Deitsch: "Windmüller / Kupffer Schmitt / Schwaben Däntz" (instrumental)
  • Tworna: "Und in dem Schneegebirge"

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