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Unvergessen: Georg Kreisler

Georg Kreisler

Unvergessen: Georg Kreisler

Eigentlich hätte diese Sendung sich dem Prix Pantheon 2020 widmen sollen, doch ein Virus wollte es anders… Ein schöner Anlass für einen Griff ins Archiv – zum Ehrenpreisträger von 2003 zum Beispiel: Georg Kreisler.

Aus rechtlichen Gründen steht das Audio der Sendung nur sieben Tage online zum Nachhören bereit.

Selten nahm Georg Kreisler einen Preis an, für den Ehrenpreis des Bonner Pantheons mit dem Titel "Reif und bekloppt" machte er 2003 eine Ausnahme und gab ein legendäres Konzert zusammen mit seiner Frau Barbara Peters. Dabei zeigte er die ganze Palette seines Könnens. Kreisler war weit mehr als ein Kabarettist: Komponist, Sänger und Dichter. Wie kaum ein anderer hat er die Tradition des 20er-Jahre Couplets und die Verbindung satirischer Texte mit virtuosem Klavierspiel bewahrt und weitergeführt. Titel wie "Tauben vergiften" oder "Musikkritiker" sind Meilensteine des Musik-Kabaretts.

Doch sein Werk erschöpft sich nicht in schwarzem Humor aus Lust an der Provokation. Viele seiner Lieder sind hochpolitisch, wenn auch nicht im Sinne tagespolitischer Aktualität. Kreisler übt Kritik an allgemeinen gesellschaftlichen Verfehlungen. Sein Blick ist geschärft durch das Schicksal des Exilanten. Wegen seiner jüdischen Herkunft musste der gebürtige Wiener 1938 mit seinen Eltern vor den Nationalsozialisten in die USA fliehen. 1955 kehrte er nach Europa zurück, auch wenn er stets auf Distanz zum etablierten Kulturbetrieb blieb. Sein Einfluss reicht bis in die Gegenwart: Künstler wie Tim Fischer, Sebastian Krämer oder Roger Stein halten sein Erbe lebendig.

Redaktion Michael Lohse