Die Geschichte der Genetik - Teil 3: Manipuliertes Erbgut    

Ein Mann betrachtet ein DNA-Modell

Die Geschichte der Genetik - Teil 3: Manipuliertes Erbgut    

Von Michael Lange

In den Sechzigern war das Erbmolekül DNA bekannt. Jetzt wollten die Genetiker ihr neues Wissen anwenden. Sie begannen die Erbinformation der Lebewesen zu verändern. Schritt für Schritt entstand die Gentechnik.

1969 konnte der Biologe Jon Beckwith an der Harvard Universität erstmals ein Gen in Bakterien isolieren. Zur gleichen Zeit untersuchten andere Forscher in den USA und in der Schweiz Enzyme in Bakterien, die DNA zerschneiden können - so genannte Restriktions-Enzyme. Damit verteidigen sich Bakterien gegen eingedrungene Viren. Die Viren werden zerstört, das eigene Erbmaterial der Bakterien bleibt verschont. Die Forscher erkannten: Diese Enzyme sind ein ideales Werkzeug, um DNA gezielt zu schneiden.

Die ersten genveränderten Organismen

1970 gelang es Ellen Taylor und Ray Wu erstmals, mit Restriktions-Enzymen einen kleinen DNA-Abschnitt von einem Virus abzutrennen. Das gilt als Geburtsstunde der Gentechnik. Wenig später schafften es andere Forscher, die abgetrennten Schnipsel in Zellen zu verfrachten. 1972 vermehrte sich bereits der erste gentechnisch veränderte Organismus: ein Bakterium der Art Escherichia coli. Der aus Deutschland stammende Wissenschaftler Rudolf Jaenisch war es dann, der nur ein Jahr nach dem ersten genmanipulierten Bakterium die erste gentechnisch veränderte Maus schuf. In mehreren Schritten war so Anfang der 1970er Jahre die Gentechnik erfunden worden.

Gentechnik in der Kritik

Immer wieder gab es Kritik an der Gentechnik aus der Bevölkerung, von Umweltverbänden, aus der Politik, aber auch aus der Wissenschaft selbst.
Bereits 1975 hatten sich Gentechniker bei einer Konferenz in Asilomar, Kalifornien, auf einheitliche Sicherheitsstandards geeinigt. Die Gemeinschaft der Forscher versprach: Der Mensch sollte außen vor bleiben. Dennoch begannen in den 1990er Jahren erste Gentherapie-Versuche am Menschen. Dabei wurden einzelne Körperzellen eines Patienten gentechnisch verändert - nicht der ganze Patient und seine Nachkommen. Diese somatische, also körperliche, Gentherapie galt und gilt als Hoffnungsträger zur Behandlung vererbter Krankheiten und in der Krebstherapie. Die ersten klinischen Studien blieben allerdings erfolglos.

Weg zur synthetischen Biologie

In der Biotechnologie begann früh die industrielle Nutzung einzelner Gene. So entstanden zum Beispiel Bakterien, die in großen Behältern menschliches Insulin produzierten. Immer mehr Medikamente wurden seit den 1980er Jahren mit Hilfe der Gentechnik produziert. Nach der Jahrtausendwende entstand aus Gentechnik, Biochemie und Nanotechnologie die "synthetische Biologie". Sie macht es möglich, Lebewesen wie am Reißbrett zu konstruieren. Das Ziel: neue Medikamente, Werkstoffe und sogar Biosprit aus gentechnisch veränderten Bakterien.

Buchempfehlungen:

Eine kurze Geschichte der Genetik
Rolf Knippers, Spektrum Akademischer Verlag 2012

Die neue Schöpfung – Wie Gen-Ingenieure unser Leben revolutionieren
Olaf Fritsche, Rowohlt 2013

Making genes making waves – a social activist in science (Englisch)
Jon Beckwith, Harvard University Press 2002

Redaktion:
Monika Kunze

Stand: 08.06.2016, 09:00