Weniger Löcher in Kinderzähnen

Ein dreijähriges Mädchen putzt sich die Zähne

Karies auf dem Rückmarsch

Weniger Löcher in Kinderzähnen

Von Jonathan Focke

Karies war lange Zeit eine Volkskrankheit. Doch sie könnte zum Randphänomen werden. Besonders Kinder haben heute viel gesündere Zähne als noch vor 30 Jahren. Der Grund: bessere Zahnpasta.

In den 1980er Jahren hatten 12-jährige Kinder im Schnitt sieben Zähne mit Karies-Befall. Seitdem ist die Verbreitung der Zahnfäule rasant zurückgegangen: nicht mal mehr einen Zahn mit Karies haben Kinder im Alter von zwölf Jahren heute. Das entspricht einem Rückgang um 90 Prozent, wie die vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie berichtet. Eine Entwicklung, die Kariesforscher als "Medizinische Erfolgsgeschichte" bezeichnen.

Fluorid schützt vor Karies

Zu verdanken ist dieser Erfolg vor allem den Zahncremes und den darin enthaltenen Fluoriden. Fluoride sind Salze, die heute fast allen Zahncremes aber auch den meisten Mundspülungen beigemischt sind. Auch viele Zahnärzte bieten ihren Patienten eine Fluorid-Behandlung der Zähne zum Schutz vor Karies an. Wie genau die Fluoride am Zahn wirken, ist zwar bis heute noch nicht bekannt, fest steht aber, dass die Salze die Entstehung von Karies an den Zähnen hemmen. Karies entsteht durch bestimmte Bakterien im Zahnbelag, die Kohlenhydrate in Säuren umsetzen. Diese Säuren fressen sich in den Zahnschmelz. Die Fluoride aus der Zahnpasta legen sich als dünne Schicht um die Zähne und härten die oberste Zahnschmelzschicht, was die Zähne vor den Säuren schützt.     

Es wird besser geputzt

Nicht nur die Zahnpasta, auch ein konsequenteres Zähneputzen trägt aus Sicht der Kariesforscher zum Rückgang der Krankheit bei. Durch Prophylaxe in Kindergärten und Schulen lernen Kinder schon früh, dass es wichtig ist, sich regelmäßig die Zähne zu putzen. Auch im Bewusstsein der Eltern spielten die Zahngesundheit und regelmäßige Besuche beim Zahnarzt heute eine größere Rolle als früher. Die Kontrolluntersuchungen werden für Kinder ab Drei seit einigen Jahren außerdem von den Krankenkassen übernommen.

Milchzahnkaries durch Nuckelflaschen

Während bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen die Zahnfäule auf dem Rückmarsch ist, bleibt sie bei Kleinkindern unter drei Jahren ein Problem. Besonders die sogenannte "Nuckelflaschenkaries" ist bei ihnen nach wie vor weit verbreitet. Kinder, die von ihren Eltern häufig Tee oder Fruchtsäfte aus der Nuckelflasche zu Trinken bekommen, haben ein erhöhtes Risiko für Karies. Das wiederholte Saft-Nuckeln beruhigt Kinder zwar, dafür werden die Zähne ständig von einer sauren Flüssigkeit umspült, was die Entstehung von Karies begünstigt.

Zähne putzen oder Fluorid-Tabletten?

Streit gibt es bei der Frage, ob sich Kleinkinder schon die Zähne putzen sollten. Viele Kinderärzte raten davon ab, weil die Kinder dabei zu viel Zahnpasta verschlucken könnten. Stattdessen empfehlen sie Fluorid-Tabletten zum Schutz der Zähne. Zahnärzte halten davon nichts. Sie bezeichnen die Tabletten als wirkungslos und fordern, Kinder möglichst früh ans Zähneputzen mit Fluorid-Zahnpasta zu gewöhnen. Immerhin zeigen Untersuchungen, dass Kinder, die schon in ihren Milchzähen Karies haben, auch später bei den bleibenden Zähnen mit größerer Wahrscheinlichkeit Karies bekommen.

Redaktion:
Peter Ehmer

Stand: 03.07.2014, 16:05