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Die Kleine Anfrage - Welches ist das gefährlichste Tier?

Grauwolf mit gefletschten Zähnen

Die Kleine Anfrage - Welches ist das gefährlichste Tier?

Von Katja Nellissen

Unsere Angst vor messerscharfen Haizähnen und dem Killerinstinkt des Wolfes ist meist unbegründet. Nur wenig Menschen sterben durch tödliche Tierattacken. Trotzdem möchten wir die Frage klären, welches Tier die meisten Menschen tötet.

Es ist wahr: Es gibt Tiere, die Menschen töten - sei es direkt, durch Bisse oder Gift, oder  indirekt, indem sie tödliche Krankheiten übertragen. Es ist aber auch wahr, dass die Gefahr, von einem Tier getötet zu werden, gerade für Einwohner von Industrienationen relativ gering ist. In Deutschland sterben jedes Jahr mehr Menschen durch Verkehrsunfälle als durch Hunde, Kühe, Pferde, Wölfe, Bären, Bienen und sonstige potenziell tödliche Tiere zusammen.

WDR 5 Leonardo - Die Kleine Anfrage | 17.08.2017 | 05:31 Min.

Unsere Angst vor Haien und Wölfen ist meist unbegründet. Nur wenig Menschen sterben durch tödliche Tierattacken. Trotzdem möchten wir die Frage klären, welches Tier die meisten Menschen tötet. - AutorIn: Katja Nellissen

Die Probleme mit der Statistik

Genaue Zahlen gibt es nicht: Welches Tier pro Jahr wie viele Menschen tötet, wird nirgendwo erfasst. Manche Daten sammelt die Weltgesundheitsorganisation, andere werden von einzelnen Ländern oder von Forschungseinrichtungen erhoben, aber viele Zahlen basieren schlicht auf Schätzungen, und die Dunkelziffern können hoch sein.
Eine Reihe von tödlichen Unfällen mit Tieren wird vermutlich nie als solche festgestellt und erfasst, denn die größte Gefahr durch ein Tier ums Leben zu kommen, besteht für die Menschen in den armen, entlegenen Regionen dieser Erde. Sie begegnen den Tieren am häufigsten, haben aber gleichzeitig die schlechteste medizinische Versorgung. Es ist wahrscheinlich, dass viele von ihnen sterben, ohne dass ein Arzt oder gar eine statistische Behörde davon je etwas erfahren. 

Haie und Bären töten nur sehr wenige Menschen

Generell gilt: Je seltener ein Tier ist, desto ungefährlicher ist es statistisch gesehen. So kann ein Hai für einen einzelnen Surfer natürlich eine große Gefahr bedeuten, aber die Chance, ihm überhaupt zu begegnen, ist gering - und dann ist immer noch nicht gesagt, dass es sich auch um ein angriffslustiges Exemplar handelt. Deswegen stehen Haie mit etwa zehn Todesopfern pro Jahr weltweit auch sehr weit unten auf der "Hitliste" der gefährlichsten Tiere – genau wie Bären oder Wölfe. Beide sind weder ein "Problem" noch "böse", sondern statistisch gesehen ungefährlicher als so manche Trittleiter.

Gefahr am Flussufer

Gefährlicher sind Krokodile. Laut einer Datenbank der australischen Charles Darwin Universität werden jedes Jahr rund 200 Menschen von den Reptilien angegriffen, und die Hälfte dieser Attacken endet tödlich. Betroffen sind vor allem Menschen in armen Regionen dieser Erde, die an denselben Ufern baden, waschen oder fischen müssen, an denen Krokodile jagen. Unfälle mit Touristen dagegen ließen sich leicht vermeiden, wenn diese den Tieren einfach aus dem Weg gingen. 

Die gefährlichsten Säugetiere

Elefanten und Nilpferde können sehr aggressiv werden. Eine Begegnung mit ihnen kostet jedes Jahr mehreren hundert Menschen das Leben - überwiegend in Afrika und Indien. Damit sind sie gefährlicher als Löwen oder Tiger.

Ein Nil-/Flusspferd reißt sein Maul weit auf

Nilpferdangriffe können tödlich enden

Probleme mit Elefanten gibt es hauptsächlich dort, wo ihr Lebensraum durch den Menschen eingeschränkt wird. Da kommt es zwangsweise zu mehr Kontakt. Nilpferde greifen vor allem dann an, wenn sie ihr Revier verteidigen wollen. Sie reagieren besonders gereizt, wenn sie Jungtiere haben. 

Klein und giftig

Viel gefährlicher als die großen sind aber die kleinen Tiere: Spinnen, Skorpione und Schlangen töten jedes Jahr über 100.000 Menschen. Zum einen sind sie weit verbreitet, zum anderen leicht zu übersehen. Man kann ihnen also nicht so leicht aus dem Weg gehen. Zwar sind die meisten harmlos, aber es gibt auch einige extrem giftige Arten, und wenn dann nicht schnell ein Gegengift zur Hand ist, können die Stiche oder Bisse fatal sein.

Wissenschaftler schätzen, dass es gerade bei Schlangenbissen eine hohe Dunkelziffer gibt, da viele Opfer in ärmlichen Verhältnissen ohne ausreichende medizinische Versorgung leben. Damit ist auch diese Todesart so etwas wie ein Armutsrisiko, genau wie die Gefahr, die vom potenziell tödlichsten Tier der Welt ausgeht: Mücken.

Am gefährlichsten sind Mücken und Menschen

Eine Anopheles-Mücke sticht in ein Stück Haut.

Keine Zähne, keine Klauen, sondern ein kleiner Stich

Sie übertragen Krankheiten wie Gelbfieber, Denguefieber oder Malaria. Und allein daran sterben jedes Jahr laut Weltgesundheitsorganisation über 600.000 Menschen. Und wieder gibt es Wissenschaftler, die von deutlich höheren Zahlen ausgehen. Im Jahr 2012 veröffentlichten Forscher der Universität Seattle Schätzungen, wonach jedes Jahr sogar über eine Million Menschen an Malaria sterben.

Damit ist die Mücke mit Abstand das gefährlichste Tier. Es sei denn, man rechnet noch einen Sonderpreisträger ein: Kein anderes Lebewesen hat in den vergangenen hundert Jahren mehr Menschen getötet als der Mensch selbst.

Stand: 21.08.2014, 16:05