Wie viel Energie steckt in einem Blitz?

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Gewitter-Steckdosen

Wie viel Energie steckt in einem Blitz?

Von Kerstin Peetz

Gewitter haben die Menschen schon immer in den Bann gezogen. Kein Wunder: Solche Wetterphänomene zeugen von Urgewalt. Der Eindruck täuscht nicht. Wäre es darum nicht naheliegend, Blitze auch als Energiequelle zu nutzen?

Blitz und Donner sind fest verwoben mit den Mythologien der verschiedensten Kulturen. Sie galten als Glücksbringer, Unheilsboten und Zornesbekundung himmlischer Mächte – oder wurden personifiziert und als gottähnlich verehrt. Obwohl das Bedeutungsspektrum vielfältig ist, wird doch eines deutlich: Gewitter haben die Menschen schon immer in den Bann gezogen. Kein Wunder: Solche Wetterphänomene zeugen von Urgewalt. Der Eindruck täuscht nicht. Wäre es darum nicht naheliegend, Blitze auch als Energiequelle zu nutzen?

Dem Phänomen auf der Spur: die Atmosphärenphysik

Die Wissenschaft hat das Phänomen Gewitter längst entmystifiziert und bringt es im 21. Jahrhundert auf eine nüchterne Formel: "Das ist wirklich eine komplexe meteorologische atmosphärenphysikalische Erscheinung, der Blitz selbst, aber auch die Folgeerscheinungen", sagt Prof. Dr. Ullrich Finke. Als Blitzforscher arbeitet er im Bereich der Atmosphärenphysik. Sie wiederum ist verwandt mit der Meteorologie, einer Disziplin, für die ein Blitz das schnellste Ereignis ist, mit dem sie es überhaupt zu tun hat. Und genau in der Geschwindigkeit liegt ein Teil des Problems.

Blitzschnell ist zu schnell

Der Blitz ist ein äußerst extremes Phänomen: In nur einer Millisekunde wird eine Energiemenge von 300 Kilowattstunden frei. Kurzzeitig tritt damit die enorm hohe Leistung von 10^12 Watt (einer Billion Watt) auf. Normale technische Kondensatoren sind laut Finke darauf nicht ausgelegt. Entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, würde also einen großen Aufwand bedeuten. Der aber wäre angesichts der Energiemenge, die dabei gewonnen werden könnte, nicht gerechtfertigt: Mit 300 Kilowattstunden würde eine 100-Watt-Birne einige Monate, vielleicht ein halbes Jahr brennen. Und umgerechnet auf Stromkosten beliefe sich das Ganze für den Endverbraucher auf rund 75 Euro, für den Erzeuger gerade mal auf etwa 10 Euro.

Der Turm als Lockvogel?

Im Durchschnitt gibt es in Deutschland 20 bis 30 Gewittertage jährlich und 2 bis 3 Einschläge pro Quadratkilometer. Das ist nicht gerade viel. Spektakulärer werden die Zahlen, betrachtet man das weltweite Geschehen: Finke geht von 4 Millionen Blitzen täglich aus. Im Jahr sind das rund 1,5 Milliarden. Stattlich – doch die Bilanz ist eher mau: Wenn man tatsächlich jeden dieser Blitze auffangen würde, käme man auf eine Energiemenge, die nur etwa 0,3 Prozent des derzeitigen Weltenergiebedarfs entspricht.

Und damit nicht genug, gäbe es noch ein Problem ganz anderer Natur: "Zum einen ist die Wolke, die sich bildet, zufällig, sie kommt vorbeigezogen, sie bildet sich nicht jeden Tag, allein das ist schon schwierig genug. Und dann ist innerhalb der Wolke auch der Blitzort, wo der Blitz sich aus der Wolke löst, auch noch mal zufällig", gibt Ullrich Finke zu bedenken. Wie also wird man der Blitze habhaft? Rein theoretisch könnte man versuchen, die Einschläge zu initiieren, meint Finke. Vorzugsweise in Türme, die auch noch in den Bergen stehen. Statistisch gesehen sind diese Bauwerke ohnehin schon häufiger das Ziel von Blitzen – sie kommen auf 10 bis 20 Einschläge pro Jahr. Und dass sich diese Zahlen signifikant nach oben korrigieren ließen, wenn man die Türme einfach höher baut, bleibt Spekulation.

Sonne und Wind laufen dem Blitz den Rang ab

Blitzenergiegewinnung ist ein interessantes, aber offensichtlich noch weitgehend unbeackertes Feld. Finke glaubt nicht, dass es zurzeit überhaupt ernsthafte Bestrebungen in dieser Richtung gibt. Wenig erstaunlich, denn zur Realisierung eines solchen Vorhabens wären gleich mehrere Hürden zu nehmen. Auch angesichts anderer schon bewährter Energiequellen wie Sonne oder Wind wird der Blitz wohl in absehbarer Zeit nicht zum Stromlieferanten, sondern bleiben, was er ist: ein faszinierendes Naturschauspiel.

Stand: 14.03.2013, 16:05