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Freiheit nur bei aufrechtem Gewissen

Theologe Wolfgang Huber sitzt in einem Sessel vor einem Bücherregal.

Freiheit nur bei aufrechtem Gewissen

Der evangelische Theologe Wolfgang Huber bleibt auch im Alter eine wichtige Stimme in ethischen Debatten. Im WDR 5 Feiertagsgespräch begründet er, warum in Corona-Zeiten die Einschränkung der Freiheit eine Frage der Verantwortung ist.

"Freiheit gibt es nur bei einem guten und aufrechten Gewissen" – Dieses Wort des Kirchenreformators Johannes Calvin hat der Theologe und Sozialethiker Wolfgang Huber als Motto für seine Internetseite gewählt. In Corona-Zeiten spricht und predigt er über Einschränkung der Freiheit aus Verantwortung gegenüber dem Nächsten. Auf die Frage, wie lange man der Gesellschaft Einschränkungen zumuten könne, antwortet er sehr klar: Es gibt niemanden, der das der deutschen Gesellschaft zumutet. Es ist ein Virus, das von uns verantwortliche, am Leben und Überleben der Menschen orientierte Reaktionen verlangt. 

Wolfgang Huber, 77 Jahre alt, gehört zur Risikogruppe und musste seine ehrenamtlichen Tätigkeiten, Vorträge und Reisen absagen. Welchen Gewinn er dennoch aus der Zeit des abgeschieden Seins zieht, erzählt er im WDR 5 Feiertagsgespräch.

Streitgespräch als evangelische Tradition

Wolfgang Huber hat als evangelischer Theologe zunächst eine akademische Karriere verfolgt und an den Universitäten Heidelberg und Marburg gelehrt. 1994 wurde er zum Bischof von Berlin-Brandenburg und schlesische Oberlausitz gewählt. Dort musste er auf kirchlicher Ebene die deutsch-deutsche Einheit begleiten. Im vorwiegend säkularen Berlin kämpfte er für den Religionsunterricht an Schulen, erlitt aber eine Niederlage. Von 2003 an übernahm er den Ratsvorsitz der Evangelischen Kirche in Deutschland, EKD. Er hat während seiner Amtszeit Reformprozesse angestoßen angesichts schwindender Mitgliederzahlen die Kirche. Das löste bei manchen Irritationen aus – ebenso wie eine EKD-Schrift zum Islam, die muslimische Verbände als ungehörige Kritik auffassten.

Huber ist ein streitbarer und rhetorisch brillanter Diskussionspartner, der gerne debattiert, gemäß dem Motto, das Streitgespräch ist die beste evangelische Tradition. Nach Ablauf seiner Ämter wurde er in den Ethikrat berufen, 2010 ernannte ihn die Universität Stellenbosch in Südafrika zum Honorarprofessor.

Zur Person

Wolfgang Huber kommt aus einer Juristenfamilie. Religion spielte keine Rolle. Er wurde 1942 in Straßburg geboren,  der Vater war einer der führenden Staatsrechtler des 'Dritten Reiches' und Professor in Straßburg. Die Familie zog am Kriegsende in den Schwarzwald, wo Wolfgang Huber als jüngster von fünf Söhnen aufgewachsen ist. Nach dem Krieg musste die Mutter als Rechtsanwältin die Familie finanziell absichern bis der Vater in den späten fünfziger Jahren wieder eine Anstellung als Hochschullehrer bekam. Das Verhälntis zu seinem Vater sei herzlich gewesen, erzählt er, weil er als kleines Kind, einen sorgenden und kochenden Vater erlebt habe, der sich gekümmert hat.  Trotz der späteren Kontroversen mit seinem Vater, behielt er ein gutes Verhältnis zu ihm.

Wolfgang Huber lebt mit seiner Frau Kara in Berlin und in Lindow in Brandenburg. Sie setzen sich für den Erhalt alter Kirchen Brandenburgs ein und engagieren sich ehrenamtlich in Kirche und Kultur.

Theologe Wolfgang Huber im Gespräch mit Gisela Keuerleber.

Redaktion: Christina-Maria Purkert

"Freiheit gibt es nur bei einem guten und aufrechten Gewissen"

WDR 5 31.05.2020 54:41 Min. Verfügbar bis 29.05.2021 WDR 5

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Stand: 22.05.2020, 13:59