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Feiertagsgespräch mit Eugen Drewermann

heologe, Psychoanalytiker, Schriftsteller und suspendierter Priester Eugen Drewermann, fotografiert auf der Buchmesse in Leipzig.

Feiertagsgespräch mit Eugen Drewermann

Was uns die Osterbotschaft vermittelt und ob sie in einer säkularen Welt überhaupt gehört wird, darüber sprach Gisela Keuerleber mit dem Ex-Priester und Psychotherapeuten Eugen Drewermann.

Eugen Drewermann hat über 80 Bücher veröffentlicht, davon steht jedoch keines in streng katholischen Einrichtungen. Immer noch ist er für die Amtskirche ein schwarzes Schaf. Dabei sind seine Vorträge – stets ohne Manuskript und druckreif gesprochen – vielen wertvolle Impulse für einen modernen Glauben: Etwa der Gedanke, dass der Glaube dem Menschen hilft, seine Urängste zu überwinden. Die Erzählungen der Bibel seien als Legenden zu lesen, sagt er. Ob jungfräuliche Empfängnis oder die physische Himmelfahrt Jesu - Spektakel und Aberglaube sei es, wenn man dies wörtlich nehme.

Zur Person

Eugen Drewermann, geboren 1940 als Sohn eines Bergmanns in Bergkamen, ist einer der bekanntesten Theologen der Gegenwart. Er studierte Philiosophie, Theologie und Psychoanalyse. Mitte der 1960er Jahre wurde er zum Priester geweiht und lehrte an der Universität Paderborn. Wegen seiner kritischen Haltung zur katholischen Kirche bekam er Predigt- und Lehrverbot. Heute arbeitet er als Publizist und Psychotherapeut. Drewermann hat über 80 Bücher veröffentlicht, davon steht keines in streng katholischen Einrichtungen. Immer noch ist er für die Amtskirche ein schwarzes Schaf.

Falsche Wörtlichnahme der Bibel

Eugen Drewermann kommentiert im WDR 5 Feiertagsgespräch (Wiederholung aus März 2016) sein Lehr- und Predigtverbot mit einem Hinweis: "Ich denke, man muss sich entscheiden zwischen Freiheit und Zwang, zwischen Glauben und Aberglauben, zwischen einer Ernstnahme der Botschaft in symbolischem, fast dichterischem Angebot und einer falschen Wörtlichnahme. Das zerreißt anders zwischen Glauben und Vernunft und ist eine der Hauptursachen für den Atheismus und die Religionslosigkeit."

Osterbotschaft falsch vergegenständlicht

Aus Umfragen weiß man, dass viele Menschen mit der Osterbotschaft "Christus ist auferstanden" nichts anfangen können. Drewermann sieht als Grund dafür Vorgänge in der katholischen Kirche. Man habe die Botschaft dort und in der katholischen Theologie "auf falsche Weise vergegenständlicht". Man habe verlangt, an die Auferstehung Jesu zu glauben in dem Sinne, "dass etwas Unmögliches passiert ist. Das Grab Jesu soll physisch leer gewesen sein." Das sei in dieser Form nicht glaubhaft und auch in der Exegese umstritten.

Drewermann verweist auf die Macht der Fragen, die der Tod für die Menschen mit sich bringt. Wir seien die einzige Spezies, die "das Leben lang mit dem Tode leben muss." Die Menschen hätten das sichere Bewusstsein, dass "er zwischen uns hockt, neben uns. Er kann in jedem Moment zugreifen."

Kern der Botschaft

Die Natur, so der Theologe, kenne kein Mitleid und kein Mitgefühl. "Sie hat kein Interesse am Individuellen, sie hat mathematisierbare Gesetze, die über uns hinweggehen." Die Basis zu glauben, es gebe etwas Unvergängliches, sei es, "dagegen zu protestieren und den Protest zu stärken im Bewusstsein, was ein Individuum, was ein einzelner Mensch ist, was Liebe bedeutet." Dieser Protest gegen das Gnadenlose der Natur macht für Drewermann den Kern der Osterbotschaft aus.

Glauben - gegen alle Widerstände

Das Entscheidende dazu fände man im Lukas-Evangelium. Lukas lasse Jesus in den Tod gehen mit den Worten eines Psalms, erläutert Drewermann: "Vater, in deine Hände gebe ich mich ganz." Die Ruhe, die in der Bibel von Jesu versiegeltem Grab ausgehen soll, wird niemals einkehren, sagt der Publizist und Psychotherapeut. "Wenn jemand in diesem Glauben lebt, dass unser Leben, unsere Würde, unsere Person, unsere Wahrheit einzig bei Gott steht (...), dann wird dieser Glaube niemals tot zu kriegen sein." Darin glichen wir Menschen Jesus, da unsere Person ebenfalls "ganz und gar in der Ewigkeit Gottes steht".

Ostern bedeute, "zu glauben, gegen alle Widerstände." Ob das Grab leer sei oder voll, sei nicht die Frage der Botschaft, sagt Drewermann. "Das Leben ist die Botschaft, und nicht zu suchen auf den Friedhöfen."

Fragen, die nicht nur an Ostern bewegen

Im Feiertagsgespräch unterhielt sich Gisela Keuerleber mit Eugen Drewermann außerdem über Fragen, die viele Menschen nicht nur an Ostern bewegen. Was gibt uns Zuversicht? Können wir angesichts der Weltlage und auch vieler Probleme im eigenen Land optimistisch nach vorne blicken? Was bremst uns? Ist es die Angst vor Ungewissheit? Oder sind es tiefer liegende Ängste? Und welche Rolle spielt für die Menschen die Religion? Sollte man sie womöglich ganz aus dem Spiel lassen? Denn blickt man sich um, muss man den Eindruck bekommen, im Namen der Religion geschieht mehr Unheil als Heil. die christliche Osterbotschaft allerdings verspricht Heil und Grund, mit Zuversicht nach vorne zu schauen.

Das Feiertagsgespräch mit Eugen Drewermann

WDR Religion 13.04.2020 53:01 Min. Verfügbar bis 07.04.2021 WDR 5

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Stand: 08.04.2020, 09:50