Unter Tage - Bergleute im Ruhrgebiet

Portrait eines Bermannes von der Zeche "Nordstern" in Gelsenkirchen Horst

Unter Tage - Bergleute im Ruhrgebiet

Von Reinhold Schneider

In 1000 Meter Tiefe frisst sich an einem Abbaupunkt ein Kohlenhobel über eine Länge von 250 Meter in den Berg. Bergbau ist für viele Kumpel nicht nur harte Arbeit, sondern vor allem Gemeinschaftsgefühl. Auch viele Jahre danach.


Das Feature steht nach der Sendung befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Unter Tage - Bergleute im Ruhrgebiet

Dok 5 - Das Feature | 29.07.2018 | 56:36 Min.

Download

Der ehemalige Bergmann Otto Nowitzki sitzt in Gelsenkirchen-Horst hinter seinem Zechenhaus mit Kumpeln in seiner Gartenlaube. Unter den Tisch deutend meint er: "Du musst mal sieben Stunden unter ‘nem Tisch herumkrauchen, da meinst du, du wirst doof. Wenn du dich am Ende in der Kopfstrecke aufrichten konntest, dann dachtest du, es wäre Sonntag." Die anderen nicken zustimmend. Gemeinsam warten sie auf die Rückkehr von Ottos Tauben, die sich von Holland aus auf einem Wettflug befinden. Ihre Zustimmung geben sie jedoch nicht nur der anstrengenden Arbeit unter Tage, sondern nicken ebenfalls in Richtung des Elektrosteigers Franz, der von dem Zusammenhalt spricht, der den Bergmannsberuf auszeichnet.

Mit den Kumpeln unter Tage

Von Reinhard Schneider

Dunkel, heiß und dreckig - die Arbeit unter Tage ist ein Knochenjob. Der Autor Reinhard Schneider begleitete 1991 die Kumpel der Zeche "Nordstern" in Gelsenkirchen-Horst zu einem der letzten Fahrten zu ihrer Arbeitsstelle in 1000 Metern Tiefe. Heute ist dort schon lange Schicht im Schacht.

Stahlkörbe hängen an Ketten unter der Decke. (schwarz-weiß Foto)

In dem Umkleide- und Waschraum, der "Kaue", können die Bergleute sich umziehen, bevor sie in die Tiefe hinabfahren. Ihre Kleidung legen sie in Körbe, die dann an Ketten unter die Decke gezogen werden.

In dem Umkleide- und Waschraum, der "Kaue", können die Bergleute sich umziehen, bevor sie in die Tiefe hinabfahren. Ihre Kleidung legen sie in Körbe, die dann an Ketten unter die Decke gezogen werden.

Jeder Bergmann hat auf der Zeche seine eigene Markennummer. Die Markennummer befindet sich auch auf sämtlichen Werkzeug- und Ausrüstungsgegenständen, die der Bergmann in die Grube mitnimmt. Früher zeigten die Markennummern auch an, ob der Bergmann nach Schichtende wieder ausgefahren war. Zugleich können die Nummern im Katastrophenfall Hinweise auf den Verbleib des Bergmanns unter Tage geben.

Der Zugang zum Einfahrtschacht auf der Zeche "Nordstern" in Gelsenkirchen-Horst ist mit schweren Gittertüren verschlossen.

Am Einfahrtschacht bedient ein Bergmann, ein sogenannter "Anschläger", die Signalvorrichtung. Über die Signalvorrichtung leitet der "Anschläger" Klingelzeichen an den Fördermaschinisten weiter.

In einem Zugwaggon fahren die Männer zu ihrem Arbeitsplatz unter Tage. Durch die Erweiterung der Grubenfelder werden die Wege zu den Kohleflözen immer länger, so dass auf den Hauptstrecken Züge eingesetzt werden. Daneben gibt es auch die liegende Mitfahrt auf Förderbändern.

Zwei Bergleute an der Unter-Tage-Lokomotive.

Nach dem Einstellen des Kohlenabbaus werden die Ausbauten wie Schienen, Maschinen, Leitungen und Stempel, wieder zurückgebaut. Dieser Vorgang wird als "Ausrauben" bezeichnet.

In der Bergmannssprache bezeichnet man nicht mehr gebrauchte Grubenräume und Stollen als "Alter Mann". Nach Beseitigung der Eisenstempel, "Rauben", wird bis zu einer bestimmten Höhe der Hohlraum sich selbst überlassen, was bis heute immer wieder zu oberirdischen Absenkungen und Schäden an Gebäuden führt. Bei Höhen von über zwei Meter wurden die zurückgelassenen Hohlräume oft auch mit Erde und Steinen verfüllt.

Ein weiteres wichtiges Transportmittel im Untertage-Betrieb ist die Einschienen-Hängebahn. Sie ist an einer Eisenschiene befestigt und ermöglicht auf diese Weise auch schwere Lasten an Orte zu transportieren, die per Zug nicht erreichbar sind.

Bei Schichtende hängt der Bergmann seine Arbeitskleidung in der Schwarzkaue auf, wäscht sich im Duschbereich und zieht sich in der Weißkaue wieder an. Bevor der sogenannte "Schwarz-Weiss-Bereich" eingeführt wird, muss der Bergmann seine Strassenkleidung an den gleichen Haken hängen.

Reinhard Schneider (links) mit zwei Bergleuten nach Schachtausfahrt.

Ausstrahlung am 29. Juli 2018, Wiederholung am 30. Juli 2018
Von: Reinhold Schneider
Redaktion: Leslie Rosin
Produktion: SFB/NDR 1991

Stand: 15.06.2018, 11:23

Weitere Themen