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Robert Schumann in Düsseldorf - Warum der Sachse im Rheinland scheitern musste

Beschreibung:Sonate Nr. 1 Op. 2, historische Noten-Handschrift und Portrait von Robert Schumann,

Robert Schumann in Düsseldorf - Warum der Sachse im Rheinland scheitern musste

Von Eva Weissweiler

Die Stadt Düsseldorf setzte auf seinen großen Namen und warb um Robert Schumann als Musikdirektor. Der kam gerne, hatte er doch nach der gescheiterten Revolution von 1848 seine musikalische Heimat in Dresden verloren. Doch Düsseldorf wurde ein Desaster.

Robert Schumann und Clara Schumann, Lithographie, 1847, von Eduard Kaiser

Im September 1850 trifft Robert Schumann in Düsseldorf ein, um das Amt des Städtischen Musikdirektors zu übernehmen. Seine fünf Kinder und seine Frau Clara, eine berühmte Pianistin, kommen mit ihm. In Düsseldorf komponiert Schumann fast ein Drittel seines Gesamtwerks, darunter die berühmte "Rheinische Symphonie". Aber er leidet zunehmend unter psychischen Problemen und begeht im Februar 1854 einen Selbstmordversuch. Eva Weissweiler ist der Frage nachgegangen, warum der Sachse im Rheinland scheitern musste.

Das Feature steht nach der Sendung befristet zum kostenlosen Download zur Verfügung.

Robert Schumann in Düsseldorf

Dok 5 - Das Feature 01.06.2020 56:02 Min. Verfügbar bis 29.05.2021 WDR 5

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Literatur zum Feature:

  • Eva Weissweiler: Clara Schumann. Eine Biographie. Antiquarisch erhältlich
  • Clara und Robert Schumann: Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe 1832-1838. Herausgegeben von Eva Weissweiler und Susanna Ludwig. Stroemfeld Verlag Frankfurt am Main 1984, 384 Seiten, 42,- Euro
  • Clara und Robert Schumann: Briefwechsel. Kritische Gesamtausgabe 1839. Herausgegeben von Eva Weissweiler und Susanna Ludwig. Stroemfeld Verlag Frankfurt am Main 1984, 528 Seiten, 34,90 Euro
  • Wissenschaftliche Gesamtausgabe der Briefe von Clara und Robert Schumann. Herausgegeben vom Robert-Schumann-Haus Zwickau und dem Institut für Musikwissenschaft der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden in Verbindung mit der Robert-Schumann-Forschungsstelle Düsseldorf. Erschienen ab 2008 im Christoph Dohr Verlag Bergheim.

Ausstrahlung am 1. Juni 2020, Wiederholung am 2. Juni 2020
Von Eva Weissweiler
Redaktion: Dorothea Runge
Produktion: WDR 2016

Robert Schumann - Seine Düsseldorfer Zeit in Bildern

Im September 1850 trifft Robert Schumann in Düsseldorf ein, um das Amt des Städtischen Musikdirektors zu übernehmen. In Düsseldorf komponiert er fast ein Drittel seines Gesamtwerks, aber er kann im Rheinland nicht Fuß fassen: Zunehmend leidet er unter psychischen Problemen. 1856 stirbt er in einer Heilanstalt.

Richard Wagner, Steckbrief, 1853, nach Maiaufstand 1849

Schumann kommt gerne nach Düsseldorf, denn nach der gescheiterten Revolution von 1848 hat sich das künstlerische Klima in Dresden stark zum Nachteil verändert. Wichtige Weggefährten, wie Richard Wagner und Gottfried Semper, sind nach Zürich emigriert.

Schumann kommt gerne nach Düsseldorf, denn nach der gescheiterten Revolution von 1848 hat sich das künstlerische Klima in Dresden stark zum Nachteil verändert. Wichtige Weggefährten, wie Richard Wagner und Gottfried Semper, sind nach Zürich emigriert.

Schumanns Ehefrau Clara Schumann ist ein europaweit bekannter Publikumsmagnet, ein weiblicher Paganini der Tasten. Von ihrer Mitwirkung verspricht man sich in Düsseldorf viel.

Schumann kennt und liebt den Rhein von seinen Reisen und hat ihn in mehreren Liedern bereits besungen. Er ist für ihn, ähnlich wie der Kölner Dom, ein nationales Symbol. Doch dem geborenen Sachsen bleiben aber die Rheinländer und die rheinische Mentalität fremd, ganz zu schweigen vom Dialekt. Clara Schumann schreibt in ihrem Tagebuch: "Überhaupt sind die Leute hier immer lustig, besonders fällt einem das heitere, ungezwungene Wesen der Damen auf".

Aber die Begeisterungsfähigkeit der Rheinländer steckt Schumann an: Er komponiert 1850 neben vielen anderen neuen Werken auch seine 3. Sinfonie in Es-Dur, die "Rheinische Symphonie".

Als Musikdirektor leitet Schumann den aus Orchester und Chrovereinigung bestehenden Städtischen Musikverein. Der bestimmt das öffentliche Musikleben der Stadt. Die Konzerte finden ab 1852 im "Geislerschen Saal" statt. Der Konzertsaal fasst 2.000 Personen.

Jedoch nach wenigen Konzerten schon sind die Düsseldorfer von dem neuen Musikdirektor enttäuscht. Robert Schumann selbst fühlt sich im Rheinland überfordert. Sein Auftreten wirkt wenig energisch, ihm fehlt das Charisma des großen Pultstars. Orchester und Chor sind verunsichert und werden schließlich unwillig. Schumanns Kompositionen werden - da schlecht gespielt - vom Publikum nicht verstanden und von der Presse missgünstig kommentiert.

Viermal in dreieinhalb Jahren zieht die Familie um: Allee-Ecke-Grabenstraße, Königsallee, Herzogstraße, Bilkerstraße. Mal sind ihnen die Wohnungen zu dunkel, mal zu teuer, mal zu feucht, mal zu laut, mal zu weit draußen. Die Lebensbedingungen, die die Schumanns in Düsseldorf antreffen, entsprechen nicht ihren Erwartungen.

In Düsseldorf werden die Kinder Eugenie und Felix geboren. Mit eiserner Disziplin gelingt es Clara Schumann, trotz Haushalt und Mutterrolle, zu komponieren, Konzerte zu geben und Unterricht zu erteilen. Sie bleibt ein großer Star, was zu Spannungen in der bis dahin als ideal geltenden Künstlerehe führt.

Robert Schumann leidet zunehmend unter Beschwerden. Depressionen, Gehörtäuschungen, Rheuma und Krampfanfälle halten ihn oft Wochen lang vom Konzertpodium fern. So wird spätestens 1851, knapp sechs Monate nach Schumanns Ankunft, selbst seinen engsten Freunden und Verehrern klar, dass er seiner Position nicht recht gewachsen ist.

Nach einem Eklat während einer Orchesterprobe im Oktober 1853 kündigt Schumann seine Stellung als städtischer Musikdirektor. Sein Zustand verschlimmert sich. Im "Fieberwahn" soll er schließlich in den Rhein gesprungen sein, was heute von einigen Experten bezweifelt wird. Was genau geschehen ist, ist nirgends vermerkt.

Im März wird Schumann mit der Diagnose "Melancholie mit Wahn" in eine Heilanstalt in Bonn-Endenich gebracht, die er bis zu seinem Tod im Juli 1856 nicht mehr verlässt. Er stirbt mit 46 Jahren. Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Alten Friedhof in Bonn.

Die Schauspielerin Martina Gedeck, die auch Clara Schumann im Film "Geliebte Clara" verkörpert (Szenenbild), ist Sprecherin des WDR 3 Kulturfeatures der Autorin Eva Weissweiler: "Robert Schumann in Düsseldorf - Warum der Sachse im Rheinland scheitern musste".

Stand: 13.05.2020, 15:34