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"Rechts" und "Links" gemeinsam - Erkundungen an der Querfront

Sitzblockade auf der Hauptzufahrt zur Air Base Ramstein, 30.06.2018

"Rechts" und "Links" gemeinsam - Erkundungen an der Querfront

Von Matthias Holland-Letz

AfD-Anhänger, die gegen US-Basen  in Deutschland demonstrieren. Linke, die Migranten für eine Bedrohung des Sozialstaates halten.  Kritik an "transatlantischen Eliten" und "Lügenpresse" von beiden Seiten. Auch in Deutschland geraten traditionelle politische Lager in Bewegung.

In Italien, aber auch in Frankreich gibt es sie längst: Populistische Querfronten von vormaligen Rechten und Linken, die sozialen Protest und nationale Ideologien miteinander verbinden. Und auch in Deutschland gab es sie in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts - sie halfen den Feinden der Demokratie, die Macht zu ergreifen.

Pegida-Demonstration in Berlin, 01.12.2018

Davon ist die Lage hier und heute weit entfernt. Doch es ist sinnvoll, genauer hinzuschauen, wo Zukunftsangst, Wut auf "die da oben" und das Gefühl, belogen und von fremden Mächten manipuliert zu werden, "lechts" und "rinks" vermischen. Nicht zuletzt, weil dabei auch alte Stereotype und Verschwörungstheorien  neue Urstände feiern.

Autor Matthias Holland-Letz

Matthias Holland-Letz, geboren 1961, arbeitet seit 2005 als Feature-Autor für WDR 5, SWR 2 und Deutschlandfunk.

Über sein Feature zur "Querfront" schreibt er:
In den 1980er Jahren ging in Westdeutschland ein breites Bündnis gegen die NATO-Nachrüstung auf die Straße, blockierte US-Waffendepots und Kasernen. Undenkbar war in der damaligen Friedensbewegung, dass auch Nationalisten und Rechtspopulisten eine Rolle spielen. Das hat sich  geändert. Etliche Aktivisten der neuen Friedensbewegung kennen derlei Berührungsängste nicht. Sie behaupten, der Unterschied zwischen rechts und links sei überholt. Wer daran festhalte, der "spaltet", zum Nutzen "der Herrschenden". Auch bei anderen Themen kommen scheinbare Antipoden  zusammen. Die Stichworte lauten: "Lügenpresse", Elitenkritik, soziale Ungleichheit, Ablehnung der USA, Verhältnis zu Russland. Auf Internetseiten und Blogs finden sie sie bei  Hunderttausenden Gehör. Dass dabei auch antisemitistische Klischees ( "das Kapital ist jüdisch") und krude Vorwürfe  einer "gezielten Umvolkung" Deutschlands durch Flüchtlinge  wieder salonfähig werden könnten, halte ich für gefährlich.

Was bedeutet Querfront? Was macht diese Ideologie so attraktiv? Was denken deren Anhänger? Ich fahre nach Ramstein, zu den Protesten gegen die dortige US-Air Base, und zu einem Festival nach Brandenburg. Ich spreche mit Friedensaktivisten, einem Hiphop-Musiker, mit Politikwissenschaftlern, einem Medienforscher und einer Politikerin der Links-Partei.

Ausstrahlung am 24. März 2019, Wiederholung am 25. März 2019
Von Matthias Holland-Letz
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: WDR 2019

Stand: 26.02.2019, 11:59