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Helmut – Oder: Wie resozialisiert man einen Langzeithäftling?

Langzeithäftling Helmut

Helmut – Oder: Wie resozialisiert man einen Langzeithäftling?

Von Stefanie Grube und Christian Werner

Helmut hat fast sein ganzes Leben im Gefängnis verbracht. Mit 16 Jahren brach er einen Automaten auf. Danach kam eine Strafe zur nächsten. Heute ist er über 65 Jahre alt. An das Leben im Knast hat er sich gewöhnt, nur draußen kommt er nicht klar.

Helmut - Oder: Wie resozialisiert man einen Langzeithäftling?

Dok 5 - Das Feature 05.01.2020 52:50 Min. Verfügbar bis 02.01.2021 WDR 5

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Helmut hat eine sehr genaue Vorstellung davon, was er nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis machen will: In ein betreutes Wohnheim ziehen, Zeit mit Kindern verbringen und sich um Tiere kümmern. Helmut ist über 65 Jahre alt, könnte eigentlich in Rente gehen. Stattdessen sitzt er im Knast. Seit er mit 16 Jahren eine Jugendstrafe absitzen musste, befindet er sich in einem Kreislauf: Entlassung, sehr kurze Aufenthalte draußen, neue Straftaten, wieder jahrelang Knast. Nun hat Helmut die Chance auf eine vorzeitige Entlassung. Doch das Leben draußen ist ihm fremd geworden. Hat die Resozialisierung bei Helmut versagt?

Die Autorin Stefanie Grube zu Besuch in Helmuts Zelle

Als die Journalistin Stefanie Grube und der Fotograf Christian Werner 2014 Helmut M. das erste Mal interviewen, steht er kurz vor seiner vorzeitigen Entlassung. Inzwischen begleiten sie Helmut seit über fünf Jahren.

Fotostrecke zu "Helmut - Oder: Wie resozialisiert man einen Langzeithäftling?"

Von Christian Werner

Langzeithäftling Helmut

Helmut M. ist Langzeithäftling: Den größten Teil seines Lebens hat er im Gefängnis verbracht.

Helmut M. ist Langzeithäftling: Den größten Teil seines Lebens hat er im Gefängnis verbracht.

Gitter und Stacheldraht: Das 1874 erbaute Haupthaus der JVA Bremen im Stadtteil Oslebshausen erinnert stark an ein Kloster. Hier verbüßt Helmut gerade seine aktuelle Strafe von neun Jahren.

Eine seiner typischen Knasttättowierungen. Bei Helmut treffen viele Klischees über Inhaftierte zu.

Für Helmut ist das Gefängnis sein Zuhause. Der gebürtige Bayer hat schon in vielen Gefängnissen in Deutschland Strafen verbüßt. Das erste Mal kam er mit 16 Jahren in Jugendhaft, wegen des Aufbruchs eines Automaten.

Helmut bezeichnet sich selbst als Berufsverbrecher. Der 65-Jährige hat über 45 Jahre in Gefängnissen gesessen. Wegen Raub, Diebstahl, Drogendelikten, Geiselnahme.

Langzeitinsassen hospitalisieren, so sagt man. Sie finden im Gefängnis und seinen Strukturen ihr Zuhause.

Im Herbst 2014 beginnt Helmut Briefe an den Fotografen Christian Werner zu schreiben, der ihn seit mehreren Monaten begleitet. Bis heute hat Christian knapp 30 Briefe von Helmut erhalten.

Richtige Freunde gebe es im Knast nicht, sagt Helmut. Eine Freundschaft werde gern mal gegen einen Freigang verkauft.

Arbeit im Gefängnis ist eine der grundlegenden Maßnahmen, um die Insassen in eine Struktur zu bringen. Und für die Gefangenen ist es wichtig, um Geld zu verdienen und sich Tabak, Kaffee und Co. leisten zu können. Wenn Helmut mit über 65 Jahren entlassen wird, wird er draußen nicht mehr Arbeiten gehen – welche Struktur hat er dann noch?

Am 10.05.2017 hat Helmut M. seinen ersten Freigang seit über sieben Jahren. In Begleitung von Christian. Helmut will das Schifffahrtsmuseum in Bremerhafen besuchen, einen neuen Reisepass

Helmuts Ziel ist es, nach seiner Entlassung in ein betreutes Wohnen zu gehen.

Seinen zweiten Freigang mit Christian nutzt Helmut zur Flucht. Am Bremer Hauptbahnhof verschwindet er. Die Polizei fandet nach ihm.

Drei Tage später wird er in Hildesheim aufgegriffen. Verwirrt und ohne Widerstand zu leisten wird er zurück ins Gefängnis gebracht.

Ausstrahlung am 5. Januar 2020, Wiederholung am 6. Januar 2020
Von Stefanie Grube und Christian Werner
Redaktion: Leslie Rosin
Produktion: WDR/RB 2020

Stand: 17.12.2019, 10:27