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"Ich rauche gern – Belomorkanal": Was vom "Stalinkanal" blieb

Eine geöffnete Packung Belomorkanal-Zigaretten

"Ich rauche gern – Belomorkanal": Was vom "Stalinkanal" blieb

Von Günter Kotte

Er gehörte zu den Großbauten des Kommunismus: Der Kanal zwischen Ostsee und Weissem Meer, den Stalin in den Dreißigerjahren von Zwangsarbeitern ausheben ließ. Mehr als 25.000 Menschen kamen dabei um. Die Zigarettenmarke, die heute noch an die Wasserstraße erinnert, bewog den Autor zu einer sehr persönlichen Spurensuche.

"Ich rauche gern – Belomorkanal": Was vom "Stalinkanal" blieb

Dok 5 - Das Feature 08.09.2019 53:30 Min. Verfügbar bis 05.09.2020 WDR 5 Von Günter Kotte

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"Meine erste "Belomorkanal" habe ich 1965 im Offizierscasino der Sowjetarmee in Dresden geraucht. Sascha, ein junger Offizier, hatte mir die 'Papirossi' angeboten. Ich war 16 Jahre alt und es war die erste Zigarette in meinem Leben. Die Landkarte auf der Pappschachtel klärte mich auf: Dieser Kanal schuf - eine Kette größerer Seen nutzend - die Verbindung zwischen Ostsee und dem Weißem Meer. Er gehörte zu den gigantischen Bauwerken der Sowjetmenschen auf dem Weg zum Kommunismus.

Luftbildaufnahme des Belomorkanals, 13.06.2019

Zehn Jahre später erfuhr ich durch Alexander Solschenizyn, dass es Strafgefangene aus allen sozialen Schichten des Riesenreiches waren, "vom Wege Abgekommene", die den Kanal Anfang der Dreißigerjahre Jahre förmlich mit den eignen Händen gruben und aus denen durch die unmenschliche Maloche neue Menschen geformt werden sollten: "Towaritschi"! Sowjetische Schriftsteller, die "Ingenieure der Seele", sangen Loblieder auf die "Kanalarmisten", von denen damals 25.000 jämmerlich vor Entkräftung und Kälte auf der Baustelle verreckten, wo ihre Leichen in den Dämmen des Kanals verschwanden, was den Genossen Stalin überhaupt nicht juckte. Ich fuhr hin, nach Povenec, der ersten Schleuse, und bis Belomorsk, der Mündung ins Weiße Meer, wollte sehen, was von diesem Bauwerk und den "Kanalarmisten" geblieben ist.

Ausstrahlung am 08. September 2019, Wiederholung am 09. September 2019
Von Günter Kotte
Redaktion: Thomas Nachtigall
Produktion: MDR/WDR 2019

Stand: 27.08.2019, 12:35