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Fairer Handel: Kakaoanbau bei der Kooperative Cooproagro

Fairer Handel: Kakaoanbau bei der Kooperative Cooproagro

Fair gehandelte Produkte gibt es längst nicht mehr nur in "Eine-Welt-Läden". Haben die Aktivist*innen der 1970er Jahre ihr Ziel erreicht? Was bedeutet "Fairer Handel " für den Arbeitsalltag von Produzent*innen wie Kakaobäuerin Marisol Villar?

Die Bewegung des Fairen Handels begann 1970 mit den sogenannten Hungermärschen. Überall in Deutschland gingen junge Menschen auf die Straße, um für mehr Gerechtigkeit für Entwicklungsländer zu demonstrieren.

In den Weltläden der 70er Jahre gab es zu jedem Produkt ein Informationsblatt. Den Aktivisten war diese Bildungsarbeit mindestens ebenso wichtig wie der Verkauf der Waren.

Die legendäre "Jute statt Plastik"-Tasche war das Symbol der Bewegung. Das Lebensmittelsortiment der GEPA (Gesellschaft zur Förderung der Partnerschaft mit der Dritten Welt mbH) war Anfang der 80er Jahre noch recht übersichtlich. Kaffee, Tee, Wein, Honig und Kakao. Schon damals waren Bioprodukte dabei.

Marisol Villar ist Kakaobäuerin in der Dominikanischen Republik. Sie hat sich der Kooperative Cooproagro angeschlossen, die an den Fairen Handel verkauft. Dadurch verdienen die Genossen 30 Prozent mehr, als wenn sie an ihre Ernte wie üblich über Mittelsmänner verkaufen würden.

Die Kakaofrüchte werden mit einem am Ende einer mehreren Meter langen Stange geerntet. Wegen der starken Hebelwirkung ist das eine enorm anstrengende Arbeit, die bei der Kooperative Cooproagro nur von Erwachsenen gemacht werden darf.

Mit einer Machete wird die Frucht aufgeschlagen und dann die mit weißem Fruchtfleisch umhüllten Bohnen herausgepult. Weil die Bauern normalerweise nicht genug Geld für ihre Ernte bekommen, stellen sie für die Feldarbeit oft Kinder an, denen sie weniger Lohn zahlen müssen.

Der Faire Handel zahlt nicht nur mehr Geld für den Kakao, sondern zusätzlich noch einen Aufschlag, der für Gemeinschaftsprojekte der Genossen ausgegeben wird. Cooproagro hat damit lokale Sammelzentren gebaut, in denen die Bauern ihren Kakao abliefern können, ohne in die weit entfernte Zentrale fahren zu müssen.

Um ihr volles Aroma zu entwickeln, fermentieren die Kakaobohnen erst einige Tage, bevor sie dann mehrere Tage lang trocknen und schließlich auf eine dreiwöchige Schiffsreise nach Europa geschickt werden.

Obwohl Marisol Villar deutlich mehr Geld verdient als noch ihr Vater, der an Mittelsmänner verkaufen musste, lebt sie bescheiden. Der Herd in der Küchenhütte wird noch immer mit Holz betrieben.

Dass Marisol Villars Hof mitten in einer Kakaopflanzung liegt, sieht man nicht. Die Kooperative hat sich dem umweltschonenden Anbau verschrieben und verbietet ihren Mitgliedern den Anbau in Monokulturen.

Um die Zertifizierung der verschiedenen Siegelorganisationen zu behalten, muss sich Marisol Villar an strenge Vorschriften halten. Würde sie auf ihrem Feld Pestizide einsetzen, verlöre nicht nur sie, sondern die ganze Kooperative ihre Biozertifizierung.

Ein Agraringenieur der Kooperative berät Marisol Villar dabei, wie sie ohne den Einsatz von Chemie oder künstlichem Dünger Pilze bekämpfen und den Ertrag steigern kann. Dieser Service ist für die Mitglieder der Kooperative kostenlos.

Dass es sich besser leben lässt, wenn man seinen Kakao an den Fairen Handel verkauft, hat sich herumgesprochen. Vor zehn Jahren hatte Cooproagro knapp 1000 Mitglieder, heute sind es 3300 Genossen, die davon profitieren, dass in Deutschland Kunden bereit sind, für faire Schokolade etwas mehr Geld auszugeben.

Stand: 10.05.2021, 13:53 Uhr