Woelki verhindert Professur: Mehr als nur ein Problem

Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln, steht beim Hauptgottesdienst vor dem Schloss in Münster

Woelki verhindert Professur: Mehr als nur ein Problem

Von Christoph Ullrich

Der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki soll erfolgreich gegen die Berufung eines Theologie-Professors in Bonn interveniert haben. Bei der alten Landesregierung fand er Gehör, obwohl er nicht hätte intervenieren dürfen. Die Vorstufe zum Skandal, meint unser Kommentator:

Natürlich: Kardinal Woelki steht jetzt - mal wieder - in der Kritik. Die Aufregung um seine vermeintliche Intervention hat er zunächst einmal für sich gepachtet. Es passt auch zu gut in die seit einiger Zeit laufende Debatte um seine Person. Wirkt er nach außen liberal und moderat, wird der Erzbischof aus dem internen Kreis der Kirche nicht selten wegen seiner Amtsführung kritisiert.

Schlimmer als sein Vorgänger

Mancherorts hört man gar, Woelki sei schlimmer als sein Vorgänger, was schon eine beachtliche Aussage ist - angesichts des gewaltigen konservativen Images, das Kardinal Meisner mit sich rumtrug. Das aktuelle Geschehen passt also so herrlich schön in die Debatte um die zwei Gesichter des Kölner Erzbischofs.

Das ist grundsätzlich aber nicht das Problem an den Berichten über die Bonner Theologie-Professur. Es ist nämlich grundsätzlich kein Problem, wenn Woelki eine Stellenbesetzung an der Universität nicht gefällt. Mag sein, dass ihm ein anderer Theologe auf dem Dogmatik-Lehrstuhl besser gefällt. Aber - was soll es? Woelki kann denken was er mag, fachlich kann er nichts gegen die Berufung eines persönlich geeigneten Theologen machen. Die Freiheit der Wissenschaft macht auch vor der geistlichen Welt nicht halt.

Politik und Kirche müssen getrennt handeln

Also kann der Erzbischof bei der Uni oder beim Wissenschaftsministerium intervenieren soviel er das möchte: Unzulässige Einwände kann man einfach übergehen. Dann hat man halt einen Dissens mit einem Würdenträger. Läuft es allerdings nicht so, wird es sehr, sehr schwierig. Gibt eine Landesregierung Woelki nach, ist das ein gravierender Vorgang. Bei der ehemaligen Wissenschaftsministerin und heutigen Bundes-Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) scheint genau das aber geschehen zu sein: Von Kungelei zwischen Kirche und Staat ist die Rede.

Ein Problem für Schulze und Laschet

Nur zur Erinnerung, Kirche und Staat sind voneinander getrennt. Da können sich Amtsinhaber noch so sympathisch finden, bei der Vorteilsnahme solcher Verbindungen hört der Spaß auf. Svenja Schulze hat also ein Problem, sollten sich die Vorwürfe erhärten. Die aktuelle Landesregierung wahrscheinlich auch - ist die Stelle in Bonn doch noch immer nicht besetzt, weiterhin scheint der Erzbischof mit der Besetzung nicht einverstanden zu sein.

Nimmt der Kölner Erzbischof Einfluss auf die Landesregierung?

WDR 5 Westblick - aktuell | 18.10.2018 | 04:44 Min.

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Gibt auch das Wissenschaftsministerium der von Armin Laschet (CDU) geführten Landesregierung nach, sollten wir vielleicht nicht mehr von einem Problem reden - sondern von einem Skandal.

Stand: 19.10.2018, 16:00