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"Silverview" von John Le Carré

Foto Westermann Wallentin im Studio

Gemeinsamer Westermann-Wallentin-Tipp

"Silverview" von John Le Carré

Im richtigen Leben hieß der Mann David John Moore Cornwell. Unter diesem Namen erschien sein erster Roman. Seinem Arbeitgeber zuliebe legte er sich ein französisch klingendes Pseudonym zu. Zwei Bücher später schrieb er mit "Der Spion der aus der Kälte kam" einen Weltbestseller.

Im letzten Jahr ist John Le Carré gestorben, in diesem Jahr wäre er 90 Jahre alt geworden. Perfektes Datum, um ihm zu Ehren den letzten Roman zu veröffentlichen, den er geschrieben hat. Ihn zu lesen war auf den ersten Seiten ein wenig mühsam. Aber irgendwann passt man sich beim Lesen dem ruhigen Fluss der Geschichte an.

Was nicht heißt, dass es nicht spannend ist, im Gegenteil. Aber diese Spannung baut sich gemächlich und allmählich auf. John Le Carré schreibt ein bisschen wie aus der Zeit gefallen, jedes Kapitel ist nobel und elegant formuliert, als sei der Autor um Zurückhaltung bemüht.

Die Geschichte spielt in einer kleinen Küstenstadt im Osten Englands. Julian Lawndsley hat dort eine Buchhandlung eröffnet und will seine Ruhe haben. Kaum ist der Laden eröffnet, taucht ein vornehmer Gentleman auf, dem ein großes Anwesen am Rande der kleinen Stadt gehört. Silverview eben. Edward gibt sich als leidenschaftlicher Leser aus, ist aber ehemaliger Agent des britischen Geheimdienstes und hat die Seiten gewechselt.

Die Plots ähneln einem Labyrinth, beim Lesen wird man in die Irre geführt, verläuft sich in Mutmaßungen bis zum schon fast furiosen Finale. Auch am Ende hatte ich nicht alles begriffen, macht aber nichts, das ist vielleicht sogar das Besondere. Weil einen John Le Carré so wunderbar reinziehen kann, einlullen in seine Geschichten. Auch in diese, die letzte die er geschrieben hat.

Eine Rezension von Christine Westermann und Andreas Wallentin

Literaturangaben:
John Le Carré: Silverview.
Aus dem Englischen von Peter Torberg.
Ullstein Verlag, 2021.
252 Seiten, 23,76 Euro.

Stand: 26.11.2021, 11:11