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"Senor Herreras blühende Intuition“ von Linus Reichlin

Foto Westermann Wallentin im Studio

Gemeinsamer Westermann-Wallentin-Tipp

"Senor Herreras blühende Intuition“ von Linus Reichlin

Man kann das Wort Intuition im Titel locker durch Fantasie ersetzen.
Bei Autor Linus Reichlin blüht sie aufs Üppigste. Für den Leser ist das ein großes Vergnügen, die Literaturkritiker aber haben nichts zu lachen, sie kriegen ordentlich ihr Fett weg.

Der deutsche Autor Leon Renz zieht sich in ein spanisches Kloster zurück, um einem burn-out zuvorzukommen. Klappt aber nicht, denn es kommt Senor Herrera ins Spiel, Gästebetreuer des Klosters, ehemaliger Stierkämpfer und unfassbar schlechter Koch. Der Schriftsteller ist einziger Gast, nicht mal Nonnen sieht man.

Nur im Klostergarten sorgt sich Schwester Anna Maria ums Unkraut. Die junge Frau trägt ihr blondes Haar offen, wo sie es doch als Nonne mit einem Häubchen bedecken sollte. Da kann also was nicht stimmen. Und die Intuition sagt Senor Herrera, dass Anna Maria in Wirklichkeit eine deutsche Textildesignerin ist, die ein Problem mit der libanesischen Mafia hat und sich im Kloster versteckt.

Ab jetzt driftet das Geschehen immer mehr Richtung Krimi ab, wartet mit durchaus irren Wendungen auf. Man hat das deutliche Gefühl, dass Linus Reichlin, der Autor des schrägen Durcheinanders, eine Menge Spaß daran hatte, dieses Buch zu schreiben. Und auch wenn man mehr als einmal nur noch Bahnhof versteht, der Spaß überträgt sich, man lacht sich schlapp. Grämen Sie sich nicht, wenn Sie selbst am Ende nicht begreifen, was eigentlich warum passiert ist. Was Intuition und was Wahrheit ist.

Eine Rezension von Christine Westermann und Andreas Wallentin

Literaturangaben:
Linus Reichlin: Senor Herreras blühende Intuition
Galiani Berlin, 270 Seiten, 20 Euro

Stand: 26.02.2021, 14:44