Live hören
Jetzt läuft: Il Mio Nome E'Nessuno von Ennio Morricone

"Porträt eines jungen Kochs" von Maylis de Kerangal

Foto Westermann Wallentin im Studio

Gemeinsamer Westermann-Wallentin-Tipp

"Porträt eines jungen Kochs" von Maylis de Kerangal

Der Anfang dieses kurzen Romans ist ebenso spröde wie langweilig. Aber bitte nicht abschrecken lassen, weiterlesen. Denn je mehr man im Laufe der Geschichte von dem jungen Studenten, der Koch werden will, erfährt, desto neugieriger wird man.

Mauro ist Franzose, in Paris geboren, schon als kleiner Junge heiß auf’s Kochen und Backen. Später im Leben beginnt er ein Studium, aber der Wunsch, sich in der Küche als Koch zu versuchen, hat schon längst heimlich von ihm Besitz ergriffen.

Der BWL-Student aus Paris tingelt durch Küchen und Restaurants in aller Welt, probiert alles aus, macht lausige Jobs für einen Mindestlohn, erlebt körperliche Gewalt und Übergriffe in Sternerestaurants, die Wohlfühlküchenatmosphäre in einem Pariser Bistro, irgendwann hat er seinen eigenen, winzig kleinen Laden, er ist ein Geheimtipp, ein Starkoch, der im Verbogenen glänzt.

Das Porträt dieses jungen Koches hat nur knapp hundert Seiten, aber die sind ungemein intensiv. Erzählen von einem Leben voller Hingabe und Entbehrungen. "Das Härteste, sagt Mauro, als er nach 15 Jahren erschöpft innehält, das Härteste ist, dass man dem Kochen alles opfern, sein Leben dafür geben muss."

Eine Rezension von Christine Westermann und Andreas Wallentin

Literaturangaben:
Maylis de Kerangal: Porträt eines jungen Kochs
Aus dem Französischen von Andrea Spingler
Suhrkamp, 94 Seiten, 12 Euro

Stand: 29.05.2020, 13:27