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Gemeinsamer Westermann-Wallentin-Tipp

"Man vergisst nicht, wie man schwimmt" von Christian Huber

Stand: 27.05.2022, 10:29 Uhr

Ein 15jähriger Junge leidet an sich selbst und am Sommer 1999 im Dorf und im Schwimmbad. Ein behutsam-schöner Sommerroman.

Der Roman ist schon Mitte März erschienen. Für ein Buch mit diesem verheißungsvollen Titel, braucht es Sonne, Wärme, eine gute Jahreszeit eben. Im März ist es dafür noch viel zu kalt. Dachten wir und haben abgewartet. Jetzt steht das Buch auf der Bestenliste. Erstens steht es da zu recht und zweitens ist es nie zu spät, ein gutes Buch zu empfehlen.

Christian Huber, der Autor, arbeitet für print, für online, für die Bühne und fürs Fernsehen im Team von Jan Böhmermanns Magazin Royale im ZDF. Sein Podcast heißt "Gefühlte Fakten" und hat über einhunderttausend Hörer pro Woche.

Sein aktuelles Buch erzählt die Geschichte eines einzigen Tages, des 31. August 1999. Es ist unerträglich heiß in Bodenstein, dem Dorf, in dem der 15-jährige Pascal lebt. Sommer ist das Schlimmste, was Pascal passieren kann.

Sommer heißt Freibad, ins Wasser springen, schwimmen. Sich den anderen fast nackt zeigen. Ausgeschlossen für Pascal. Jemanden zu berühren oder gar berührt zu werden, hat sich Pascal für immer verboten und damit auch, sich in ein Mädchen zu verlieben. Und dann passiert es eben doch. Das mit dem Verlieben.

Ich glaube, es ist gut, nicht viel mehr über diesen Sommertag im Leben von Pascal zu erzählen, weil der Autor Christian Huber selbst so behutsam beim Schreiben vorgeht, als wolle er nur sehr vorsichtig preisgeben, was Pascal, den alle Krüger nennen, bewegt.

Als wolle er den Leser erstmal mitnehmen in die eigene Jugend, ihn nochmal fühlen lassen, wie es war mit 15. Als man keine Ahnung hatte, wo es langgehen sollte. Und sich doch auf den Weg machte. Wo man alle möglichen Peinlichkeiten, Unsicherheiten durchlebte und man noch jetzt beim sich Erinnern rote Ohren bekommt.

Christian Huber schreibt ganz sachte, eine leise Melancholie zieht sich durch diese Geschichte. Und die Sorge, dass es mit Pascal am Ende vielleicht doch noch schlecht ausgehen könnte.

Eine Rezension von Christine Westermann und Andreas Wallentin

Literaturangaben:
Christian Huber: Man vergisst nicht, wie man schwimmt
dtv, 2022
400 Seiten, 25 Euro