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Der Lesekreis Siebengebirge empfiehlt Per Petterson

Buchcover von Per Petterson: Pferde stehlen

Der Lesekreis Siebengebirge empfiehlt Per Petterson

Der Literaturkreis Siebengebirge trifft sich seit 2012 in Bad Honnef und Königswinter, um gemeinsam über Bücher zu diskutieren. Zum festen Kern gehören zwölf Leser und Leserinnen. Sie empfehlen "Perde stehlen" von Per Petterson.

"Das Buch spielt im Zweiten Weltkrieg. Es ist ein Beziehungsbuch. Es handelt von einem Mann, 67 Jahre alt, der sich in die Einsamkeit zurückzieht. Und er wird von seiner Vergangenheit eingeholt. Wo er doch eigentlich mit der Vergangenheit abschließen wollte. Und da taucht nun plötzlich der Nachbar auf, der im Grunde genommen das Stiefkind seines Vaters ist. Und dieser Stiefsohn hat eigentlich das Leben geführt, was er gerne für sich von seinem Vater haben wollte."

"Die Dramatik kann man sich ja leicht vorstellen die dann dahinter steckt. Es hat mir einfach nur gut gefallen. Vor allem wie der ältere Mann jetzt mit 67 beschreibt, wie er einfache Arbeiten verrichten will, die ganz alltäglichen Dinge, die er sich aber nicht durch theoretisches Lernen aneignet, sondern, dass er meint, er muss es sehen und die Bewegungen einfach nachahmen. Das ist auch etwas, was sich durch das Buch zieht, was mir sehr gut gefallen hat.  ... Und die Naturbeschreibungen, das hat mir gut gefallen. – Und die Arbeit mit dem Holzfällen... –  ...und mit der Flößerei, mit den Baumstämmen."

Der Lesekreis Siebengebirge liest „Pferde stehlen“ von Per Petterson

Der Lesekreis Siebengebirge liest „Pferde stehlen“ von Per Petterson

"Ich hatte am Anfang ein bisschen Probleme damit, dass immer in der Zeit gesprungen wird, dass wir bei dem alten Mann sind, der dann aber sich erinnert an die Zeit, als er 15 Jahre alt war. Als ich mich da rein gefunden hatte, fand ich es aber wunderbar gelöst. Ich finde es insgesamt – wie vielfach bei der skandinavischen Literatur – sehr schwer, sehr schwermütig, ja fast depressiv schon. Gerade diese Hauptperson, die kommt mir doch sehr depressiv vor. Und trotzdem wollte ich´s immer weiterlesen. Ich wollte schon wissen, was jetzt noch kommt. Letztlich ist ja das ganze Problem nur angedeutet. Es ist ja letztendlich nicht gelöst. Man denkt immer: Jetzt muss die Lösung kommen, jetzt muss die Lösung kommen. Nein, die Lösung kommt nicht! Die Lösung spielt im Kopf - die kommt nicht in dem Buch. Und das finde ich schon interessant."

"Es gibt einen Satz, der zieht sich durch das ganze Buch, und das ist auch der Schlusssatz des Buches. Der lautet: "Jeder entscheidet selbst, wann es weh tut." Ein Satz des Vaters, der immer wieder mal gebraucht wird gegenüber dem Sohn in den unterschiedlichsten Situationen. Und am Schluss entwickelt sich dieser Satz im Grunde meiner Ansicht nach zu einem Lebensmotto des Jungen, um den es hier geht. Und ich finde, das macht Gänsehaut. Also mich hat es sehr berührt."

Aufgezeichnet von Eva Wolk

Der Lesekreis Siebengebirge empfiehlt Per Petterson

WDR 5 Bücher - Auf meinem Nachttisch 09.02.2019 02:24 Min. Verfügbar bis 08.02.2020 WDR 5

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Literaturangaben:
Per Petterson: Pferde stehlen
Aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger
S.Fischer, 256 Seiten, 8,95 Euro

Stand: 08.02.2019, 15:08