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Der Lesekreis Bonn-Beuel empfiehlt Natascha Wodin

Buchcover: "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin

Lesekreis

Der Lesekreis Bonn-Beuel empfiehlt Natascha Wodin

1991 hat sich der Lesekreis Bonn-Beuel das erste Mal getroffen. Zunächst waren es vier Frauen, nun sind es sechs. Zehn Mal im Jahr treffen sie sich und diskutieren über ein Buch. Jede von ihnen ist mal Gastgeberin.

Besonders das Fremde anderer Epochen und Kulturen reizt sie in den Büchern zu entdecken. Für ihr jetziges Treffen haben sie den Roman "Sie kam aus Mariupol" von Natascha Wodin ausgewählt.Darin erzählt Wodin die Geschichte ihrer Mutter, die als ukrainische Zwangsarbeiterin nach Deutschland kam.

Die Einen sind sehr angetan von dem Buch: "Es ist die Geschichte, dass ein Kind von Zwangsarbeitern auf der Suche nach dem Motiv ihrer Mutter ist, warum die sich umgebracht hat. Sie ist selber im Lager aufgewachsen und sie möchte wissen, wer war ihre Mutter, weil sie noch sehr jung war, als die Mutter starb. Die Geschichte schlägt immer so Volten. Sie kriegt lauter Dinge raus, die sie nicht unbedingt hätte wissen wollen, aber das macht es eben auch sehr spannend. Die Flucht ihrer Eltern, die Zeit als Ostarbeiter, ursprünglich in der Ukraine und später in Deutschland. Ich find es toll geschrieben." Es ist spannend, es ist super.

Andere dagegen fühlten sich leicht überfordert: "Ich fand`s etwas anstrengend zu lesen wegen der vielen Personen, die vorkommen. Aber dahinten ist ja auch so ein Stammbaum drin. Ansonsten fand ich es auch sehr interessant. Ich wusste auch nicht viel über die Zwangsarbeiter."

Einig waren sich aber alle, dass es eine hintergründige Geschichte ist, die bewegt: "Ich wusste, dass Ostarbeiter, Zwangsarbeiter es hier in Deutschland in der Nazizeit nicht gut hatten. Aber, dass sie es so schlecht hatten, das konnt` ich mir kaum vorstellen. Und das ist in dem Buch nochmal so richtig deutlich geworden. Sie arbeitet ihre Kindheit auf, aber sie macht das in einer Art und Weise, die mich fasziniert hat einerseits. Andererseits erschüttert, weil sie es mit einer Distanz macht, was aber im Leser auch eine Menge Emotionen auch auslöst, zumindest bei mir. Das war das, was mich beim Schreibstil fasziniert hat, wie man überhaupt als Betroffene, als Tochter dieser Mutter, bei deren Schicksal in der Lage ist, mit einer solchen Distanz und gleichzeitig einer solchen Detailliertheit über all diese Dinge zu berichten, ohne in Larmoyanz zu verfallen. Mich hat das Buch sehr berührt. Wie die deutsche Gesellschaft sich gegenüber diesen Menschen, die in diesen Häusern lebten, dann verhalten hat. Das hat in mir, ehrlich gesagt, nochmal Scham ausgelöst. Für mich war das Buch auch sehr erschütternd. Es hat mich sehr berührt und zwar auch noch mal auf eine Art und Weise, dass ich so dachte, wie wichtig es doch ist, den eigenen Wurzeln nachzugehen."

Aufgezeichnet von Terry Albrecht

Der Lesekreis Bonn-Beuel empfiehlt Natascha Wodin

WDR 5 Bücher - Auf meinem Nachttisch 17.08.2019 02:09 Min. Verfügbar bis 15.08.2020 WDR 5

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Literaturangaben:
Natascha Wodin: Sie kam aus Mariupol
Rowohlt Verlag, 360 Seiten, 12 Euro

Stand: 15.08.2019, 14:58