"Zur Hälfte eine Frau" von Perumal Murugan

Buchcover: "Zur Hälfte eine Frau" von Perumal Murugan

Lesefrüchte

"Zur Hälfte eine Frau" von Perumal Murugan

Kaali und Ponna leben in einem südindischen Dorf. Eigentlich sind sie glücklich. Aber Dorfbewohner und Angehörige diskriminieren sie wegen ihrer Kinderlosigkeit und drängen die beiden, den vermeintlichen Makel zu beheben.

"Der Schriftsteller Perumal Murugan ist tot", schrieb der Autor vier Jahre nach dem Erscheinen seines Romans "Zur Hälfte eine Frau".

Die für sein Heimatdorf in Südindien zuständige Distriktverwaltung hatte ihn im Rahmen eines Schlichtungsverfahrens dazu genötigt, die verbliebenen Exemplare der Erstausgabe zu vernichten. Hindunationalistische Fanatiker hatten Permual Murugan zuvor angezeigt, wegen angeblicher moralischer Verstöße und Lügen über lokale Gebräuche. Er habe sich blasphemisch über die Schutzgottheit seines Dorfes, Ardhanarishvara, geäußert. Er sei ein Nestbeschmutzer. Murugan kündigte daraufhin an, seine schriftstellerische Tätigkeit einzustellen. Erst nachdem knapp zwei Jahre später ein Gericht in Chennai den Schlichterspruch für ungültig erklärte, begann er wieder zu schreiben.

Wie in seinen anderen Romanen beschreibt Murugan in "Zur Hälfte eine Frau" lokale Traditionen und die sozialen Verhältnisse im ländlichen Teil des indischen Bundesstaates Tamil Nadu. Im Mittelpunkt steht die letzte Nacht des alljährlichen Tempelfestes, in der alle gesellschaftlichen Regeln fallen. Frauen und Männer können mit jedem schlafen, denn niemand weiß, in welcher Form der hermaphroditische Gott aus dem Tempel sich den Gläubigen zeigt.

Der tamilische Schriftsteller, selbst in einfachen Verhältnissen als Sohn eines Kleinbauern aufgewachsen, entführt seine Leser mit viel Sprachwitz und Einfühlungsvermögen für seine Protagonisten in eine andere Welt.

Eine Rezension von Gerhard Klas

Literaturangaben:
Perumal Murugan: Zur Hälfte eine Frau
Aus dem Tamilischen von Torsten Tschacher
Draupadi Verlag, 164 Seiten, 18 Euro

Stand: 14.09.2018, 13:15