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"Winterbienen" von Norbert Scheuer

Buchcover: "Winterbienen" von Norbert Scheuer

Lesefrüchte

"Winterbienen" von Norbert Scheuer

Winter 1944 in einem Eifeldorf. Ein Mann beschreibt in seinem Tagebuch den Kriegsalltag, seine Liebe zu den Bienen und sein einträgliches Geschäft als Fluchthelfer verfolgter Juden. Was ist er: schlichter Dealer oder heimlicher Held?

Man wird nicht recht schlau aus diesem Egidius Arimond, einem entlassenen Lehrer, der wegen seiner Epilepsie von den Nazis zwangssterilisiert, aber nicht ermordet wurde, weil sein Bruder ein hochdekorierter Wehrmachtssoldat ist.

Arimond bringt Juden, versteckt in Bienenkörben, über die belgische Grenze, das Geld, das er dafür bekommt, braucht er für ein Medikament, das sein Überleben sichert. Jede einzelne Fluchthilfe ist für ihn lebensgefährlich, er lebt auf dünnem Eis und schafft sich seine eigenen kleinen Fluchten, hat amouröse Abenteuer, gibt sich der Bienenzucht hin und forscht in den Dokumenten eines seiner Vorfahren aus dem 15. Jahrhundert.

Sie ist schon sehr seltsam, diese Mischung aus privater Beschaulichkeit und grausamem Kriegsalltag, und fast beklemmend der sachliche Ton, den der detailgenaue Arimond anschlägt. Und eben dies ist der spannende Unterton dieses so schreiend brutalen wie stillen Buches, das WDR 5-Hörer Werner Krauss aus Mönchengladbach dankenswerterweise für die Vier-Bücher-Weihnachtssendung vorgeschlagen hat.

Ein großartiger Tagebuchroman, in dem ein Mann ein messerscharfes Bild des 2. Weltkriegs in einem Eifeldorf zeichnet und selbst schatten- und rätselhaft bleibt.

Eine Rezension von Ferdinand Quante

Ferdinand Quante empfiehlt "Winterbienen" von Norbert Scheuer

WDR 5 Bücher - Auf meinem Nachttisch 21.12.2019 07:54 Min. Verfügbar bis 19.12.2020 WDR 5

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Literaturangaben:
Norbert Scheuer: Winterbienen
C. H. Beck, 319 Seiten, 22 Euro

Stand: 18.12.2019, 23:16