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"Wilde Theorien" von Pola Oloixarac

Buchcover: "Wilde Theorien" von Pola Oloixarac

Lesefrüchte

"Wilde Theorien" von Pola Oloixarac

Der Debütroman der argentinischen Autorin Pola Olioixarc besticht durch einen avancierten Stil, beißenden Spott und eine komische Außenseiter-Romanze. Darüber hinaus ist er noch philosophisches Glasperlenspiel und vieles mehr.

Eine namenlose Ich-Erzählerin – eine junge, attraktive und smarte Philosophiestudentin – hält das vielstimmige Sammelsurium abseitiger Ideen und merkwürdiger Figuren von "Wilde Theorien" zusammen. Sie hat es sich in den Kopf gesetzt, die Ideen eines alternden Professors zu einer Welterklärungsformel umzumodeln, weil sie nicht nur intellektuell ein Auge auf Augusto García Roxler geworfen hat.

Neben diesem Handlungsstrang schildert die Erzählerin die schräge Romanze zweier Außenseiter, die mit Spitznamen K und Pabst heißen. Die beiden treiben sich nicht nur in Hörsälen herum, sondern auch in der Clubszene, um ihre soziologischen Theorien durch Feldforschung zu belegen.

In Argentinien sorgte der Roman "Wilde Theorien" für einen kleinen Skandal. Die Widerständler gegen die Militärdiktatur, der in einem schmutzigen Krieg gegen die eigene Bevölkerung viele tausend Menschen zum Opfer fielen, werden teils als primitive Machos, teils als versponnene Naivlinge verspottet. Matthias Strobel gelingt es, den anspruchsvollen literarischen Stil von Pola Oloixarac grandios ins Deutsche zu übertragen.

Die fiebrigen Passagen, die explizite Erotik, die eher mäandernden, philosophisch angehauchten Abschnitte kommen in seiner Übersetzung mit all ihrer nuancierten Sprachgewalt zur Geltung. "Wilde Theorien" erscheint zunächst im Gewand eines Campus-Romans und entwickelt sich dann im Lauf der Lektüre zu einem im guten Sinne wirklich irritierenden Buch.

Eine Rezension von Christoph Ohrem

Literaturangaben:
Pola Oloixarac: Wilde Theorien
Aus dem argentinischen Spanisch von Matthias Strobel
Wagenbach Verlag, 256 Seiten, 22 Euro

Stand: 16.04.2021, 14:11