"Weihnachtshaus" von Zsuzsa Bánk

Buchcover: "Weihnachtshaus" von Zsuzsa Bank

Lesefrüchte

"Weihnachtshaus" von Zsuzsa Bánk

Zwei Frauen betreiben ein Café in Frankfurt am Main: Lilli, die ihre erwachsene Tochter alleine großgezogen hat, die es versteht, eine warme, geborgene Umgebung für alle zu erschaffen – und die selbst doch ungebunden und frei bleiben möchte. Und die Erzählerin, deren Mann Clemens vor drei Jahren ganz plötzlich starb.

Jetzt ist sie mit den beiden Kindern Elsa und Luis und ihrer Trauer allein, obwohl alle versuchen, sie zu trösten und zu unterstützen. Die beiden haben sich ein halb verfallenes Haus im Odenwald gekauft, mehr Wunschtraum als realistisches Projekt. Doch dann tritt der Amerikaner Bill in ihr Leben; Bill, der Zuhause alles verloren hat, Bill, der trotzdem das Leben anpackt, der niemals friert, der ihnen Hoffnung gibt.

Zszusa Bánk erzählt eine kleine Geschichte, auf den ersten Blick ein allzu versöhnliches Weihnachtsmärchen. Doch dahinter verbirgt sich ein Abgrund an Traurigkeit, eine Frau, die ihren Kompass verloren hat und die sich an das Kreisen ihrer Gedanken klammert.

Diese hypnotischen Wiederholungen sind Halt und Verzweiflung zugleich – und Bánk schildert sie leise, zurückhaltend und dadurch umso eindrücklicher.

Eine Rezension von Markus Brügge

Literaturangaben:
Zsuzsa Bánk: Weihnachtshaus.
S.Fischer Verlag, 2021.
112 Seiten, 12 Euro.

Stand: 03.12.2021, 12:08