"Vom Aufstehen" von Helga Schubert

Buchcover: Helga Schubert - Vom Aufstehen

Lesefrüchte

"Vom Aufstehen" von Helga Schubert

Helga Schubert erzählt in ihrem autobiografischen Buch von einem Leben als Kriegs- und Flüchtlingskind und davon, wie man sich mit dem eigenen Schicksal aussöhnen kann.

Als die Schriftstellerin Helga Schubert, die sich aus der literarischen Öffentlichkeit verabschiedet hatte, im Vorjahr beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb antrat und gewann, war sie 79 Jahre alt.

In der autobiografisch grundierten Geschichte, die Schubert beim Wettlesen in Klagenfurt vorgetragen hat, blickt eine achtzigjährige Frau, die der Autorin zum Verwechseln ähnlich ist, unverklärt und zugleich dankbar auf das eigene Leben. Die prämierte Erzählung bildet nun den Abschluss ihres Buches, das in 29 Geschichten dem Lebensweg der Ich-Erzählerin als Kriegskind, Flüchtlingskind und Kind der deutschen Teilung folgt.

Die frühste Erinnerung der Ich-Erzählerin: Die Flucht mit der Mutter aus einem Dorf in Hinterpommern vor der heranrückenden Roten Armee. Davon ausgehend spannt Helga Schubert in diesen autobiografischen Geschichten einen weiten Bogen bis zur Gegenwart.

Im Zentrum der Erinnerungen einer 80-Jährigen steht das schwierige Verhältnis zur eigenen Mutter, einer schroffen, unversöhnlichen Frau, der ihre Tochter immer fremd geblieben ist. Helga Schubert erzählt von Verletzungen und von Schutzlosigkeit. Und doch besticht ihr berührendes Buch immer wieder durch große Wärme und Empathie.

Eine Rezension von Holger Heimann

Literaturangaben:
Helga Schubert: Vom Aufstehen. Ein Leben in Geschichten
dtv, 222 Seiten, 22 Euro

Stand: 19.03.2021, 15:50