"Überleben" von Tsitsi Dangarembga

Buchcover: "Überleben" von Tsitsi Dangarembga

Lesefrüchte

"Überleben" von Tsitsi Dangarembga

Tambudzai ist gut ausgebildet und dennoch geht es für sie in Harare nur bergab. Tsitsi Dangarembga, die Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels 2021 schreibt die Frauen des postkolonialen Simbabwe in die Weltliteratur ein.

Einigen Leserinnen mag Heldin Tambudzai aus dem ersten Teil der Trilogie "Nervous Conditions" aus dem Jahr 1988 bekannt sein. Er erschien als "Preis der Freiheit" und wurde kürzlich unter dem Titel "Aufruhr" neu übersetzt. Darin kämpft die junge und starke Tambudzai um höhere Bildung und eine Chance, sich aus den patriarchischen Strukturen ihres Dorfes zu befreien. Der Roman zählt für die BBC zu den 100 Büchern, "die die Welt geprägt haben".

In "Überleben" ist Tambudzai nun jenseits der Dreißig und arbeitslos. Mit sehr wenig Geld und geringem Selbstrespekt schlägt sie sich in Harare durch. Es gelingt ihr, bei einer Witwe unterzukommen, wo sie jedoch die Übergriffe eines Mitbewohners fürchten muss. Nicht nur in ihrem Leben scheint einiges schief gegangen zu sein.

Nach der Unabhängigkeit haben Korruption, Rassenkonflikte und Willkür die Unterdrückungsmechanismen des Kolonialismus in Simbabwe fortgesetzt. Aber hier geht es nicht nur um Repräsentation. Dangarembga wählt eine interessante Erzählperspektive für ihre nicht unbedingt sympathische Antiheldin aus.

Tambudzai spricht sich selbst als Du an, völlig distanziert. Sie lässt eher geschehen, als eine Handlungshoheit zu haben. Als sie schließlich doch einen Job als Biologielehrerin annimmt, kommt es zum vorläufigen Tiefpunkt. Völlig entrückt vor Frustration, verliert sie die Kontrolle und verletzt eine Schülerin schwer. Sie verbringt Wochen in der Psychiatrie. Und begeht später Verrat an ihrer Dorfgemeinschaft.

Dangarembga hat eine mehr als überzeugende Form gefunden, um davon zu erzählen, was es heißt, in der postkolonialen Gesellschaft eine schwarze Frau zu sein. Ein Roman, der unter die Haut geht.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Literaturangaben:
Tsitsi Dangarembga: Überleben
Aus dem Englischen von Annette Grube
Orlanda Verlag, 2021
376 Seiten, 24 Euro

Tsitsi Dangarmbga: Aufbrechen
(Originaltitel: Nervous Conditions)
Aus dem Englischen von Ilija Trojanow
Orlanda Frauenverlag,
262 Seiten, 24 Euro.

Neuer Roman der Friedenspreisträgerin des Deutschen Buchhandels, Preisverleihung am 24. Oktober in Frankfurt

Stand: 01.10.2021, 14:14