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"Toxische Macht" von Christian Linker

Buchcover: "Toxische Macht" von Christian Linker

Lesefrüchte

"Toxische Macht" von Christian Linker

Was wäre, wenn die Corona-Krise einen wirklichen politischen Neuanfang hervorgebracht hätte? Christian Linker spielt diese Idee in seinem neuen, packenden Roman durch.

Coco und Maikel, Studenten in Köln, begegnen sich im ersten Corona-Lockdown bei der Planung eines Klimastreiks. Sie werden ein Paar, und Coco bewundert Maikels politisches Engagement. Sie begleitet ihn zum Sommercamp einer neuen Partei, die sich in Großbuchstaben "FUTURE" nennt.

Unversehens wird aber Coco zum Gesicht dieser Partei. Für sich selbst überraschend wird sie zur Vorsitzenden gewählt. Zwei Jahre später wird sie die Kandidatin der Partei für das Bundeskanzleramt sein – eine charismatische junge Frau, Mitte 20, die ihren Master noch nicht abgeschlossen hat. Was für eine schöne Utopie!

Für ihre Bekanntheit zahlt Coco bald aber auch einen hohen Preis. Sie eilt von einer Versammlung zum nächsten Interview, sitzt in Zügen, schläft auf Isomatten. Für Maikel hat sie kaum noch Zeit. Kurz vor der Bundestagswahl steht sie vor dem Zusammenbruch.

Christian Linker erzählt kenntnisreich und überzeugend, wie der Politikbetrieb eine junge Frau mit Idealen verschleißen kann. Das ist ernüchternd, aber Linkers Beschreibung einer neuen Partei mit jungen, engagierten Menschen macht zugleich Hoffnung auf Veränderung.

Eine Rezension von Dina Netz

Literaturangaben:
Christian Linker: Toxische Macht
dtv bold, 334 Seiten, 14,90 Euro

Stand: 18.06.2021, 16:32