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"Sweet Sorrow" von David Nicholls

Buchcover: "Sweet Sorrow" von David Nicholls

Lesefrüchte

"Sweet Sorrow" von David Nicholls

Rührend, leichtfüßig und intelligent: Mit der Liebesgeschichte "Sweet Sorrow" knüpft David Nicholls an den Welterfolg "Zwei an einem Tag" an.

"Sweet sorrow" – das ist die süße Trennungswehe, die Shakespeares Julia verspürt, als sie sich in der berühmten Balkonszene von Romeo trennen muss. Mit „sweet sorrow“ blickt Ich-Erzähler Charles Lewis auf sein 16-jähriges Selbst und den Sommer 1997 zurück. Jenen Sommer, in dem er sich in Fran Fisher verliebte, das Mädchen von der örtlichen Privatschule, für das er sich sogar zu einer Rolle in einer Theaterproduktion von "Romeo und Julia" breitschlagen ließ.

Shakespeare wird für seine Charakterdarstellung gerühmt - Nicholls zeichnet wie kein anderer die Gefühlswelten eines jungen Liebenden in den 1990er Jahren nach. Tiefgründig und leichtfüßig legt er in Analogie zu "Romeo und Julia" in einem intelligent komponierten Roman die Anatomie der ersten Liebe frei.

Wieder erweist sich Nicholls als Meister der Dialoge, manch ungestüme Aktion der Heranwachsenden sorgt für unfreiwillige Komik, im nächsten Moment rühren einen die Sorgen des Erzählers an.

Und wer es Nicholls nicht verziehen hat, dass er die zauberhafte Emma in "Zwei an einem Tag" sterben ließ, sei beruhigt: Hier bleibt nach dem unterhaltsamen Adoleszenz-Drama nur ein „sweet sorrow“ zurück, dass der Roman zu Ende ist.

Eine Rezension von Mareike Ilsemann

Literaturangaben:
David Nicholls: Sweet Sorrow. Weil die erste Liebe unvergesslich ist
Aus dem Englischen von Simone Jakob
Ullstein Verlag, 512 Seiten, 22 Euro

Stand: 03.01.2020, 14:10