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"Sibirische Sommer mit Dostojewski" von Jan Brokken

Buchcover: "Sibirische Sommer mit Dostojewski" von Jan Brokken

Lesefrüchte

"Sibirische Sommer mit Dostojewski" von Jan Brokken

Für Staatsanwalt von Wrangel war Sibirien ein Schritt auf der Karriereleiter, für den jungen Schriftsteller Dostojewski die Hölle der Verbannung. Ein einfühlsames Portrait einer Freundschaft und zugleich Sittenbild des Zarismus.

Gerade mal Anfang Zwanzig, wird Baron Alexander von Wrangel als Staatsanwalt in die Einöde Sibiriens geschickt. Dort lernt er Fjodor M. Dostojweski kennen. Der hat zu der Gruppe von Revolutionären gehört, deren Erschießung von Wrangel 1849 als Schüler in Sankt Petersburg beinahe miterlebt hätte, wäre nicht das Urteil in letzter Minute in Verbannung umgewandelt worden.

Dostojewski krankt an den Entbehrungen dieser Verbannung. Die beiden Männer verbindet bald eine enge Freundschaft. Sie legen gemeinsam einen Garten an, sie sprechen über Liebschaften, Literatur und Politik.

Wie schon in vorherigen Büchern schafft es Jan Brokken, anhand eines kleinen gesellschaftlichen Ausschnittes ein großes Ganzes darzustellen: In diesem Fall beschreibt er ausgehend vom täglichen Leben der beiden Freunde von Wrangel und Dostojewski sehr anschaulich Gesellschaft und Politik im Zarenreich Mitte des 19. Jahrhunderts.

Wer Jan Brokkens distanzierte, aber sehr detailgenaue Art zu schreiben mag, biographische Romane schätzt, ein Faible für Dostojewski hat oder gern in russische Geschichte eintaucht, wird an "Sibirische Sommer mit Dostojewski" viel Freude haben.

Eine Rezension von Eva Karnofsky

Literaturnagaben:
Jan Brokken: Sibirische Sommer mit Dostojewski
Aus dem Niederländischen von Helga van Beuningen
Kiepenheuer & Witsch, 432 Seiten, 22 Euro

Stand: 07.12.2018, 13:07