Markus Brügge empfiehlt: "Schwarzes Kleid mit Perlen" von Helen Weinzweig

Buchcover: "Schwarzes Kleid mit Perlen" von Helen Weinzweig

Lesefrüchte

Markus Brügge empfiehlt: "Schwarzes Kleid mit Perlen" von Helen Weinzweig

Die Geschichte wirkt auf den ersten Blick sehr klassisch: Verheiratete Frau verlässt ihre Familie, um mysteriösem Geheimagenten rund um die Welt zu folgen.

Sie wartet für ihn an Flughäfen, friert für ihn, wandert durch glutheiße Städte. Doch bei näherer Betrachtung ist sie mehr als die Geliebte, die ihrem Coenraad hinterherläuft. Shirley Kaszenbowski wirkt selbst wie eine Agentin, unauffällig bewegt sie sich durch verschiedene Szenerien, wechselt die Identitäten – und stets trägt sie dabei eine Art Uniform, das titelgebende schwarze Kleid mit Perlen.

Helen Weinzweig hat diesen Roman spät veröffentlicht, 1980, mit 65. Er gibt Zeugnis einer längst vergangenen Welt, denn Shirley schildert uns sowohl den ikonischen Glamour Hotellobbys als auch die ärmlichen Verhältnisse, in denen sie aufgewachsen ist. Wir erleben den Zukunftshunger einer Generation und gleichzeitig eine Zeit, in der Männer "widerspenstige" Frauen mit der Reitgerte bestrafen konnten.

So ist das schmale Buch erstaunlich viel: Die Erzählung einer Emanzipation, eine Art Agentengeschichte, in der Shirley Geheimbotschaften von Coenraad via "National Geograpic" erhält und Zeitenportrait. Und wie seine Heldin ist auch der Roman ruhig, sprachlich präzise und haargenau in seinen Beobachtungen von Menschen und Orten.

Eine Rezension von Markus Brügge

Literaturangaben:
Helen Weinzweig: Schwarzes Kleid mit Perlen
Aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit
Verlag Klaus Wagenbach, 192 Seiten, 22 Euro

Stand: 12.07.2019, 14:19