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"Schicksal" von Zeruya Shalev

Buchcover: Zeruya Shalev - Schicksal

Lesefrüchte

"Schicksal" von Zeruya Shalev

Die Geschichte zweier Frauen und ihrer Familien, eng verbunden durch Liebe und Tod. Auch die eines Landes, das nicht mehr weiß, wie seine Zukunft aussehen soll. Mit schmerzhafter Intensität brechen alte Wunden auf und zwingen zu Entscheidungen.

Unterschiedlicher können sie kaum sein: die neunzigjährige Rachel, eine ehemalige, nationalistische Untergrundkämpferin und Atara, die Mutter einer Patchworkfamilie im modernen Haifa. Ein Mann verknüpft ihrer beider Leben. Nach dem Tod ihres Vaters macht sich Atara daran, dessen Vergangenheit zu erforschen und stößt so auf Rachel. Sie war Kampfgefährtin und erste Ehefrau ihres Vaters. Ein Geheimnis liegt über dieser Beziehung. Zeitlebens hat er nicht über sie gesprochen.

"Schicksal", der deutsche Titel des Romans, verweist auf die tragische Dimension, in der die israelische Autorin hier verschiedene Figuren miteinander verknüpft. Während Atara versucht, die Geschichte ihres Vaters zu rekonstruieren, gerät ihr eigenes Leben aus den Fugen.

Zeruya Shalev spannt in ihrem Roman einen weiten Bogen vom vorstaatlichen Israel bis in die Gegenwart. Das Schweigen über Ereignisse und Taten in der Vergangenheit machen den Menschen auch Jahrzehnte danach das Leben noch schwer. Am heftigsten offenbart sich der Stress in den Familien. In den Wohn-und Schlafzimmern kommen die ungelösten Konflikte zwischen Generationen, Eltern, Kindern und Ehepartnern zum Ausbruch.

Mit schmerzhafter Klarheit, poetisch, empathisch und desillusioniert erzählt Zeruya Shalev von dem Versuch, trotz aller Widrigkeiten, eine Zukunft zu gestalten. Auf der persönlichen und auch politischen Ebene.

Eine Rezension von Carsten Hueck

Literaturangaben:
Zeruya Shalev: Schicksal
Aus dem Hebräischen von Anne Birkenhauer
Berlin Verlag, 413 Seiten, 24 Euro

Stand: 11.06.2021, 16:14